Test-/Erfahrungsbericht Seat Leon Cupra ST 265

Zunächst einmal vielen Dank an unseren Leser Tobias, der mir diesen Erfahrungsbericht zu seinem Seat Leon Cupra ST 265 vor wenigen Tagen übermittelte. Er entstand anlässlich einer anstehenden Inspektion seines Leon Cupra mit knapp 25.000km und deckt sich in großen Teilen mit meinen eigenen Erfahrungen, die ich in einem eigenen Test zum Leon Cupra ST 290 hier veröffentlicht habe.

Meine eigenen Anmerkungen zu Tobias’ CUPRA Rezension und inwieweit diese sich mit den meinen decken, führe ich in Form eines Kommentares im Anschluss an Tobias’ Test-/Erfahrungsbericht zu seinem Seat Leon Cupra ST 265 aus. Hier nun als Tobias’ Erfahrungsbericht zu seinem schnellen Leon Laster:

Seat Leon Cupra ST 265Mein Cupra hat die wunderschöne Dynamic-Lackierung, die vor allem mit der Kombi-Karosserie und den ganz im Kontrast dazu schwarzen Panoramadach besonders zur Geltung kommt.

Bei der ersten intensiven Pflege nach der Wintersaison bin ich aber schon etwas weniger glücklich mit der Farbe: die ist nämlich besonders anfällig für Flugrost – abgesehen davon dass der Flugrost besonders zur Geltung kommt, gibt es auch zu viel davon. Und der sitzt nach diesem einem Winter schon so tief, dass „wegrubbeln“ mit Schwamm bei der Handwäsche oder mit einem weichen Tuch und Wachs schon nicht mehr funktioniert. Da müsste man also tatsächlich schon mit einer leichten Politur drüber!

Der Lack scheint außerdem nicht besonders elastisch zu sein, bereits nach knapp 11.000km (zu 85% A70+A66) prangen 3 böse Steinschläge bis auf das Blech auf der Motorhaube. Der passende Lackstift kostet zum Glück „nur“ knapp 18€ – Basislack inklusive Klarlack.

Der vergangene Winter hat außerdem noch zwei andere negative Seiten aufgezeigt: Bordcomputer und Hinterachse: bei niedrigen Temperaturen reagiert der Bordcomputer teilweise sehr träge. Wird das Auto im Menü “CAR” abgestellt, ist der Bordcomputer zusätzlich auch sporadisch vergesslich: wird das Auto im Untermenü Fahrdaten abgestellt, ist nach einem Neustart z.B. die Ansicht Sport zu sehen.

In der Ansicht “Sport” wiederum lasse ich mir Ladedruck, Beschleunigungskräfte und Leistung anzeigen. Manchmal, nach Neustart oder Umschalten der Ansicht, zeigen alle drei „Instrumente“ – nichts. Manchmal zeigen sie auch Zahlenwerte an, aber der animierte Zeiger hat trotzdem Null-Ausschlag.

Und das alles passiert sporadisch und nicht reproduzierbar; häufig bei niedrigen aber auch schon bei sommerlichen Temperaturen.

Knarzgeräusche sind beim Cupra ja leider auch keine Seltenheit (Frechheit bei einem derart jungen Auto und diesem Preis, alle Konzernschwestern können das besser), in meinem Fall hab ich als Hauptquellen die Laderaumabdeckung und das Dach ausgemacht.

Konstante Temperaturen unter -15°C haben dann aber auch der Hinterachse Töne entlockt, beim Überfahren von Schwellen und bevorzugt hinten rechts. Dieses metallische, schabend-heulende Geräusch ist dann auch der Werkstatt direkt nach 15m Probefahrt aufgefallen.

Kommentar: „Oh ja, da is was. Hmm, da musst das Auto mal vorbei bringen, des kann man so net sagen was das ist. Da müssen wir wahrscheinlich Stück für Stück die Verkleidungen abbauen, Probefahren und schauen was es is.“

Tja, was soll ich sagen, diese Diagnose wurde am letzten wirklich kalten Wochenende gestellt. Seit dem keine auffälligen Geräusche mehr.

Temperatur scheint allerdings generell ein Problem beim Cupra sein. Unwohlsein bei Permafrost lass ich mir bei einem heißblütigen Spanier eingehen, der Sommer müsste ihm ja besser liegen! Aber auch hier – hinten rechts. Diesmal der Kotflügel der dazu neigt sich zu verziehen.

Als ich das unpassende Spaltmaß zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich mir, mir ist irgendwo einer drauf. Beim zweiten Mal: bin ich vielleicht zu schnell gefahren…? Beim dritten Mal war es dann klar, die eine Gemeinsamkeit: über +30°C!

Seat Leon Cupra ST 265 Kotflügel

Seat Leon Cupra ST 265 Kotflügel

Ist es warm genug, oder lange genug warm genug, wölbt sich der Kotflügel nach außen und bildet so einen deutlichen Überstand (Abb. oben), kann aber ohne Kraftaufwand mit der Hand wieder reingedrückt werden und bleibt dann auch erstmal da.

Ansonsten kann der Leon gut mit Temperatur umgehen, der Motor kommt sehr schnell auf Temperatur und damit Wärme in den Innenraum. Und bei Hitze umgekehrt, die Klimaanlage zieht schnell und kräftig an. Und das ist auch gut so, denn trotz Sonnenrollo heizt der Innenraum auch schon bei leichtem Sonneneinfall sehr schnell auf.

Unabhängig von der Temperatur hat die Elektrik inzwischen einen weiteren seltsamen Einzelfall verursacht. Bei Fahrt mit fest eingeschaltetem Abblendlicht waren nach einem kurzen Tankstopp nur die Nadeln von Drehzahlmesser und Tacho unbeleuchtet. Fahrlicht und alle anderen Beleuchtungen haben funktioniert, nur die Nadeln blieben dunkel. Erst nachdem ich das Licht komplett aus und wieder angeschaltet habe, hat wieder alles gepasst; und so ist es seitdem.

Ein anderes Thema ist über die Zeit aber besser als schlechter geworden: die Schaltung. Prinzipiell eine schöne knackige Handschaltung, schön übersetzt, nur der 6. könnte ein bisschen länger sein um die Drehzahl bisschen tiefer zu kriegen – andererseits kommt man so auf der ebenen Strecke auch bei Stadt-Tempo mit dem höchsten Gang aus (insgesamt kann die satte Motorleistung zu Schaltfaulheit führen).

Wenn man die Schaltung sportlich bedient ist alles wunderbar, kurze Schaltwege, satte Bewegungen, klack, klack, klack, verkackt. Der 5. Gang hackt gerne mal, am Anfang hat es mir den auch ein paarmal wieder rausgehaut; auch Zähneputzen war schon Programm wenn der Kupplungsfuss schneller ist wie die Schalthand. Das Getriebe muss also scheinbar auch eingefahren werden, inzwischen sind die Probleme seltener.

Auch der dritte Gang will manchmal nicht gleich rein, wenn ich direkt vom 6. runter schalten möchte. Hier muss man penibel darauf achten, den Schalthebel sauber über den Nullpunkt zu führen. Kann man sich dran gewöhnen (vom Sechsten Gang in den Dritten Gang?- Anm. Autodino).

Der Motor ist das Traum- und Herzstück des Autos und beschleunigt die Fuhre äußerst stressbefreit. Dazu braucht nicht mehr viel gesagt werden, auch wenn es mich immer wieder begeistert – entweder wie satt man auch im 6. Gang aus der 80er-Begrenzung rauskommt, oder wenn man das komplette Drehzahlband zum Spurt verwendet – immer wieder eine Freude für mich, und eine Blamage für die Drängelbeamer und Benzen…

Und trotz alledem kann der Antrieb auch haushalten. Die Abbildung zeigt die kontinuierliche Aufzeichnung meines realen Durchschnitts-Spritverbrauch (getankte Menge/km-Zähler). Übrigens erfreulich: deckt sich sehr gut mit den Werten des Bordcomputers.

Benzinverbrauch Seat Leon ST Cupra 265

Im Gesamtschnitt über die Gesamtlaufleistung komme ich zurzeit auf 7,8l/100km. Anmerkung zu den Verbräuchen: ich fahre kaum Kurzstrecken, ca. 80% entfallen auf Autobahnen, und da fahre ich (weil ständig) einen eher ruhigen Reifen. Reifenquälende Landstraßenaktionen fallen dann gar nicht mehr so stark ins Gewicht. Die Talsohle Ende Mai lässt sich mit den relativ niedrigen Höchstgeschwindigkeiten in Skandinavien erklären.

Höchste Reichweite mit einer Tankfüllung dort (ohne Zwischentanken): 789km!

Damit zu den nächsten zwei Kritikpunkten: Tankvolumen und –anzeige.
Für ein Auto in der Leistungsklasse und, als ST, in der Kombi-Größe, hat mal definitiv mehr als nur 50l Kraftstoffvorrat verdient! 70-80l fände ich angemessener um nicht ständig tanken zu müssen…

Die Tankanzeige selbst ist mit diesen LED-Leuchtelementen zwar äußerst stylish designed, ein klassisches Rundinstrument aber halt einfach feinfühliger. Hinter jedem Punkt verstecken sich ca. 6,25l: wenn der Tank als voll angezeigt wird, kann das also zwischen 50 und 43,75l sein. In meinem Fall macht das einen Unterschied in der Reichweite von knapp 80km!

Seat Anzeige Spritverbrauch

Dafür ist allerdings die Anzeige der Restreichweite äußerst akkurat – Achtung! Ich bin schon mehrfach mit einer Restreichweite unter 20km an die Schankstelle und habe in über 49l Super investiert.

Mit dem Cupra kann man schnell unterwegs sein. Oder sparsam. Dank erstklassiger Sitze und adaptiven Fahrwerk in jedem Fall auch entspannt.

Die Sitze bieten einen hervorragenden Seitenhalt, durch Einstellung von Länge, Höhe, Lehnen Neigung und Lordosen Stütze findet man auch eine langstreckentaugliche Einstellung. Verbesserungspotential: die Kopfstütze sollte auch in Längsrichtung verstellbar sein!

Mein bevorzugter Fahrmodus ist eigentlich der vorkonfigurierte Sport-Modus: direkte Lenkung, angenehm straff, schöner sonorer Sound. Der Komfort-Modus bringt aber auf Langstrecke tatsächlich Komfortgewinn, es geht deutlich ruhiger und gemütlicher über die ungezählten Schlaglöcher Deutsch-lands.

Trotz all diesem Komfort im Seat, im Dauer-Test habe ich für mich eine absolute Obergrenze von 1000km ermittelt. Irgendwann wird auch der bequemste Sitz zur Zumutung…

Mit dem Cupra als ST ist man wegen Kombi auch mit viel unterwegs. So zumindest die Theorie. Zugegebenermaßen, die Entscheidung für die Karosserieform viel hauptsächlich aus ästhetischen Gründen.

Die schärfste Form vom 5F ist ohne Frage der SC. Da ich 3-Türer wunderschön finde, aus leidvoller Erfahrung aber auch um die Schattenseiten (vor allem auf engen Parkplätzen) weiß, war der SC leider raus. Und da der normale Leon 5-Türer so dermaßen langweilig ist, verglichen mit seinen beiden anderen Karosserieformen, habe ich mich für den ST entschieden. Positiver Nebeneffekt: mehr Stauraum.

Und man kann auch echt einiges reinladen, die Heckklappe schluckt viel. Und trotzdem muss ich ehrlich zugeben, dass ich von den Ladefähigkeiten ein wenig enttäuscht bin – und daran ist Seat selbst schuld.

Lief doch lange Zeit ein Spot im TV, in dem leicht und locker 2 Mountainbikes (ohne Vorderrad, aber stehend) im Frachtabteil verschwinden – ich trete zum Gegenbeweis an. Okay, da passt ein Rennrad am Stück (ohne Sattel) rein.

In mein dreitüriges Coupe hat selbiges Fahrrad allerdings ebenfalls (mit Sattel, ohne Vorderrad) reingepasst – wo ist da jetzt die Verbesserung? Zumal – und damit wird es zur bitteren Pille – keine AHK möglich ist…

Jetzt aber zu den echten Kritikpunkten. Zum einen die Beleuchtung im Gepäckraum, das könnte einfach viel mehr sein als die eine Funzel an der rechten Seite. Zum anderen das Verschleißverhalten vom Stoffbezug des Bodens.

Nach einem dreiviertel Jahr, jedes Wochenende der gleichen Reisetasche und diversen Getränkekisten ist die Bespannung schon sehr ausgefranst und unansehnlich.

Seat Leon ST KofferraumbodenDie Materialanmutung generell ist im Seat nicht schlecht, hier und da fehlt aber die Konsequenz (die Sitze mit dem weißen Zierstreifen sind schick, aber das Hartplastik an A- und B-Säule für diese Fahr-zeugkategorie nicht mehr zeitgemäß) und anscheinend auch die Haltbarkeit. Und wieder ist Seat hier eher das Schlusslicht im Konzern.

Nicht nur das Schluss-Licht beim Leon leuchtet entweder mit Halogen oder LED. Also ganz altmodisches Licht oder ganz modernes, Xenon gibt es nicht mehr. Und der Cupra kommt von Haus aus mit LED – wäre dann sowieso meine Wahl gewesen. Weil man ja was von der Straße sehen will. Und man sieht mit dem LED Abblendlicht auch – ganz gut. Verglichen mit den VW-Xenons die ich davor hatte allerdings nicht so die Offenbarung.

Seat Leon ST Cupra 265 FrontbeleuchtungSeat Leon ST Cupra 265 Heckbeleuchtung

Das Fernlicht dagegen ist ein Sprung nach vorne. Vom „Autobahnlicht“ hab ich noch nie wirklich Notiz genommen. Der Rückfahrscheinwerfer ist auch ein bisschen mau, vor allem in Kombination mit der rückwärtig getönten Verglasung – hier hätte man doch beide (links + rechts) Scheinwerfer verwenden können. Was mir im Alltag aber tatsächlich noch störender auffällt, ist das fehlende Abbiegelicht und gelegentlich die Nebelscheinwerfer.

So, zu den Fahrleistungen bleibt ansonsten nicht mehr viel zu sagen. Der Motor des Seat Leon Cupra ST 265 deckt ein breites Spektrum ab, kann untertourig und spritsparend gefahren werden, kann aber auch richtig Dampf machen wenn man ihn lässt. Das Fahrwerk kann auch eine große Spreizung, von komfortabel bis hart. Wobei die Grundhaltung generell sportlich-straff ist.



Die Auswirkungen vom Fahrmoduswechsel machen sich beim Handschalter eigentlich nur über das Fahrwerk spür- und über die Soundmodellierung hörbar. Einen erfahrbaren Unterschied stellt man aber beim Wechsel zum Cupra-Modus fest: dank der geänderten Ansteuerung des Differenzials kann man deutlich aggressiver aus der Kurve rausbeschleunigen bevor die Traktion verloren geht – erstaunlich was mit diesem Frontkratzer dann doch geht!

Brembo-Bremsen schön und gut, die normalen Bremsen verrichten beim Seat Leon Cupra ST 265 aber ebenfalls gute Arbeit und sind standfest. Mit den üblichen VW-Schwächen: neigen zur Riefenbildung, neigen zum sofortigen anrosten bei Vorhandensein von Feuchtigkeit (vor allem wenn das Auto bei Regen mit Handbremse geparkt ist), gewisse Schwächen bei Nässe („Wasserfilm“ auf der Scheibe, der beim ersten antippen schon mal für ein Schrecksekündchen sorgen kann).

Ein Kritikpünktchen geht noch an die Serienbereifung. Obwohl sogenannte Premiumreifen sorgen die Gummis für relativ hohe Fahrgeräusche und bieten im Gegenzug nicht genug Vertrauen in allzeit gute Traktion um das auszugleichen. Bei Nässe können die Reifen allerdings glänzen und zur Standzeit kann ich noch nichts sagen.

Aber ansonsten… Auf die nächsten 25.000! (Text/Bilder: Tobias S.)

Nochmals vielen Dank an Tobias, für seinen tollen Erfahrungsbericht bislang und natürlich auch für die Fotos. Gerne höre ich wieder von Dir und deinem Auto, Tobias!

Wie eingangs erwähnt, habe ich zum Teil die gleichen “Probleme” mit meinem Seat Leon Cupra ST, obwohl ich erst knapp 18.000 Kilometer auf der Uhr habe. Jedoch habe auch ich die von Tobias monierten Lackprobleme. Ich vermute sogar, dass sehr viele Seat dieses Manko haben. Nur sind diese “Flugrostpünktchen” bei den dunklen Farben eben nicht oder nur schwer zu sehen.

Da Tobias und ich diese “weiße Dynamic-Lackierung” haben, fallen die Pünktchen bei näherem Hinsehen aber sehr gut auf. Ja und selbst der Seat Ibiza meiner Frau, kennt diesen Flugrost.

Auch ich habe diverse kleine Lackabplatzer wie Tobias – mehr noch. Sogar einen Haar-Lackriß am rechten Kotflügel zu verzeichnen. Zur Beseitigung dieser “Mängel” gibt es jedoch einfache Möglichkeiten:

Der Haarriß wurde vom Seat “Lackdoktor” auspoliert und ist bislang auch nicht mehr zu erkennen. Hier war wohl nur die oberste Klarlackschicht angegriffen. Der Flugrost wurde von mir selbst beseitigt. Im Handel gibt es spezielle Mittel dafür. Die zu behandelnde Fläche wird eingesprüht und nach kurzer Einwirkzeit sieht man lila Nasen am Lack herunterlaufen. Kommt besonders auf weißen Lacken gut.

Keine Angst. Nach dem Abspülen mit dem Gartenschlauch ist nix mehr zu sehen!

Tobias’ restliche Erfahrungen teile ich in punkto “Knarzgeräusche” und Geräusche von der Hinterachse. Auch die Riefenbildung und den übermäßigen Flugrost auf den Bremsscheiben kann ich bestätigen. Mehr dazu und einige Möglichkeiten zu deren Abhilfe in meinem Seat Leon ST CUPRA 290 Test.

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