Ducati Multistrada 950 Test

Ducati Multistrada 950 TestEin Ducati Multistrada 950 Test war überfällig. Und obwohl die Motorrad-Saison sich dem Ende neigt, hat sich Kollege Jens Riedel dieses Motorrad einmal für einen Test ausgeliehen.

Wer mit der 1200er Ducati Reiseenduro liebäugelt, diese aber zu teuer und zu schwer erscheint, der kann bei der italienischen Motorradmarke bleiben und beruhigt zur kleineren Schwester greifen: der Ducati Multistrada 950.

Ducati Multistrada 950 Test – der Motor

Der 937 Kubikzentimeter große Motor in der typischen L-Form und dem charakteristisch knurrigen Ducati-Sound leistet 83 kW / 113 PS bei 9000 Umdrehungen in der Minute und liefert ein üppiges Drehmoment von bis zu 96 Newtonmetern, die bei 7750 Touren anliegen.

Ducati Multistrada 950 TestDa darf es ruhig schaltfaul zur Sache gehen, zumal die Gasbefehle sehr spontan umgesetzt werden. Ab 4500 Touren schiebt der Zweizylinder mit Schmackes voran und 2000 Umdrehungen weiter steigt die Leistungskurve noch einmal spürbar an.

Dabei fällt die gutmütige und auf Anhieb Vertrauen einflößende Multistrada in Kurven fast von alleine in Schräglage, geizt mit ihrem 19 Zöller vorne aber auch nicht mit einem deutlichen Aufstellmoment beim Bremsen. Selbige packen kräftig zu, und auch der hintere Stopper lässt sich gut dosieren, könnte aber ruhig eine etwas größere Hebelauflage haben.

Die MTS 950 ist ein hervorragend ausbalanciertes Motorrad und lässt sich mit ihren fahrfertigen 229 Kilogramm auch im dichten Stadtverkehr oder im Stand gut händeln, zumal sie über einen weiteren Lenkkopfwinkel verfügt als ihre große Schwester.

Ducati Multistrada 950 TestApropos Stadt: Als Multitalent offeriert die 950er ihrem Fahrer die vier Fahrmodi „Touring“, „Sport“, „Urban“ und „Enduro“. Sie werden über den Rückstellknopf des Blinkers (!) aufgerufen, wobei der Touren-Mode als Standard keinen Grund zur Klage bietet.

Wer auf noch etwas spontanere Gasannahme Wert legt und dafür einen weitläufigeren Regelbereich von ABS und Traktionskontrolle in Kauf nehmen möchte, der wechselt zu Sport.

In den Betriebsarten Urban und Enduro verliert die Multistrada 950 gut ein Drittel ihrer Pferdestärken, wobei in einem Fall die Assistenzsysteme auf höchste Sensibilität eingestellt sind und im anderen die Zügel für den Geländeritt (die Fußrastengummis lassen sich ganz leicht abnehmen) deutlich gelockert werden.

Ducati schnürt analog dazu dem Kunden auf Wunsch auch vier gleichnamige Zubehörpakete, die jeweils eine der gewünschten Eigenschaften der Multistrada etwas stärker betonen.

Der üppige Sammler der Auspuffanlage steht im Kontrast zu den extrem schmal gehaltenen Endrohren. Dennoch wird der im Touring-Paket (749 Euro inkl. Hauptständer) unserer Testmaschine enthaltene Kofferset an der rechten Seite sicherheitshalber noch mit einem Alu-Hitzeblech geschützt.

Apropos heiß: Heizgriffe schenkt sich Ducati beim Tuningtrimm. Die serienmäßigen Handprotektoren sollen’s richten, Heizgriffe lassen sich aber bei Bedarf für 262 Euro noch nachrüsten.

Ducati Multistrada 950 TestDie höhenverstellbare Scheibe (Serie) bietet ebenfalls guten Schutz und trägt ebenso zum entspannten Fahren bei wie die lockere Sitzhaltung und der flache, aber breite Lenker. In Verbindung mit dem ausreichend potenten Triebwerk mutiert die Multistrada so auf der Langstrecke durchaus zum Autobahnexpress – und wir spüren zum ersten Mal den Wunsch nach einem Tempomaten an einem Motorrad.

Dem Fernreisefieber kommt auch der 20-Liter-Tank entgegen. Da ist es außerdem gut zu wissen, dass die „Touring“-Koffer bis Tempo 180 freigegeben sind, wenngleich die Italienerin natürlich locker die 200er-Marke überschreitet. Wem die akzeptablen 84 Zentimeter Sitzhöhe doch zu viel sind, der kann auch noch zu einer niedrigeren Variante greifen (und umgekehrt).

Ducati Multistrada 950 TestDas LCD-Cockpit der Ducati ist übersichtlich, eine kleine Plastikklammer rahmt zusätzlich die Ganganzeige ein und trägt so zu besserer Orientierung bei. Der Drehzahlmesser arbeitet nicht nur mit sich aufbauenden Balken, sondern hinterlegt die Ziffer des jeweiligen Tausender-Schritts auch noch einmal optisch.

Das wilde Hin- und Herspringen in manchen Situationen nervt allerdings ein wenig, wenn man beispielsweise mit etwa 3000 Touren in der Stadt unterwegs ist und dann zwischen 2900 Umdrehungen und 3100 U/min pendelt und im raschen Wechsel mal die „2“ oder die „3“ hervorgehoben wird.

Fazit: Ducati Multistrada 950 Test

Angesichts ihrer Ausgewogenheit und ausreichenden Performance muss sich die „kleine“ Multistrada nicht vor der großen verstecken. Wem Höchstleistung nicht über alles geht und wer ohnehin mit Fahrwerksfeinabstimmungen (bei der 1200er elektronisch einstellbar) nicht viel am Hut hat, der kann mit der hervorragend beherrschbaren MTS 950 immerhin 3600 Euro sparen und bekommt trotzdem ein äußerst stimmiges und wohlmundendes Zweirad-Menü serviert. (we/ampnet/jri)(Fotos: Auto-Medienportal.Net)

Daten Ducati Multistrada 950 Test

Motor: 90-Grad-V2, 744 ccm, luftgekühlt
Leistung: 38 kW / 52 PS bei 6200 U/min
Max. Drehmoment: 60 Nm bei 4900 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,4 Sek.
Getriebe: sechs Gänge
Antrieb: Kette
Tankinhalt: 20 Liter
Sitzhöhe: 770 mm
Gewicht: 209 kg (fahrbereit)
Normverbrauch: 5,3 l/100 km
CO2-Emissionen: 124 g/km
Bereifung: 100/90 R 18 (vorne), 130/80 R 17 (hinten)
Preis: 13 295 Euro

Empfehlenswert und eine echte Alternative zur Ducati, ist die Triumph Tiger Sport mit dem famosen Dreizylinder hier in unserem Test.

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