Elektroauto Commuter Cars Tango T600

Anabolika-gedopter Krankenfahrstuhl Commuter Cars Tango T600 mit 816PS

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Die elektrische Knallerbse Commuter Cars Tango T600 ist ausgerechnet in dem Land entstanden, in dem großvolumige Achtzylinder, fette Straßenkreuzer und dicke Pick-ups seit Jahrzehnten zum Alltag der automobilen Fortbewegung gehören. In diese Welt passt das zweisitzige Elektro-Auto Tango T600 wie ein Kondomautomat in den Vatikan.

Ich stelle mir gerade vor, wie ein Porsche-Fahrer neben einem Commuter Fahrer an der Ampel steht und mitleidig lächelt. Dann springt die Ampel auf grün und während der Commuter Fahrer schon beim Aldi um die Ecke fertig mit Einkaufen ist, kommt der Porsche Fahrer gerade am Parkplatz an… LOL!

Das erste, was am Tango auffällt, ist seine „Größe“. Das Teil ist gerade mal 257 Zentimeter lang und 152 Zentimeter hoch. Damit hat der Tango etwa die Abmessungen eines Smart, der ein paar Zentimeter länger ist.

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Der Knüller ist jedoch die Breite: Mit 99 Zentimetern ist er arg schmal geraten und kommt im Format einem Motorrad näher als einem Automobil. Eine Honda Goldwing ist breiter. Hübsch nebeneinander gestellt könnte ein amerikanischer Pick-Up also locker zwei, drei Tango T600 auf seiner Ladefläche transportieren.

Ebenso wie bei einem Bike sitzen die beiden Passagiere des T600 (wir erinnern uns: „It takes two to Tango“) hintereinander, so wie einst im seligen Messerschmitt Kabinenroller. Hier jedoch in einem mit Alcantara ausgeschlagenen Innenraum, in dem es eine leistungsstarke Soundanlage, Rückfahrkamera und Navigationssystem gibt.

Eine Honda Goldwing ist breiter als der Commuter Cars Tango T600

Die Idee zu seinem automobilen Schmalhans hatte Rick Woodbury im Jahre 1982. Damals steckte er – wieder einmal – mit seinem Auto in Los Angeles in einem Stau. Und in fast jedem Auto, das mit ihm im Stau steckte, saß – wieder einmal – nur eine Person.

Das brachte Woodbury auf die Idee eines Autos, das nur halb so breit sein sollte wie üblich. So ein schmales Hemd könnte im dichten Stadtverkehr zwischen den Fahrzeugen hindurch fahren wie ein Motorrad. Was der Hersteller „lane splitting“ nennt. Mittlerweile denken sogar US-amerikanische Politiker darüber nach, ob solche schmalen Fahrzeuge möglicherweise sogar gemeinsam eine Spur befahren dürfen.

Es vergingen fast zwei Jahrzehnte, bis aus der Idee schließlich ein Fahrzeug wurde. Woodbury gründete im Jahre 1999 die in Spokane im US-Staat Washington beheimatete Firma Commuter Cars. Der Name ist Programm: Ein Commuter ist ein Pendler, also jemand, der zwischen Wohn- und Arbeitsort hin und her fährt.

Einer von denen ist zum Beispiel George Clooney. Der fährt auch einen Tango T600. Er kann sich das Mini-Mobil auch leisten. Mit einem Preis von rund 240 000 US-Dollar ist der T600 sicher kein Fahrzeug für Jedermann.

Außer Hollywood-Star Clooney gehören auch die Google-Chefs Sergey Brin und Larry Page zu den Kunden von Commuter Cars. Auch nach Großbritannien soll bereits ein Fahrzeug ausgeliefert worden sein. Die solventen Promi-Kunden dürfte es auch nur wenig stören, dass in den „Kofferraum“ gerade mal zwei, drei Einkaufstüten passen.

Klar, Elektroautos sind „hipp“ in den USA. Aber der Tango T600 ist ein ganz besonderer Stromer. Im Spurt auf dem morgendlichen Weg zum Büro lässt er selbst gestandene Sportwagen hinter sich. In knapp vier Sekunden soll der Tango, der ein bisschen aussieht wie ein Anabolika-gedopter Krankenfahrstuhl, auf 100 km/h kommen.

Möglich macht das eine schier irre erscheinende Leistung. Commuter Cars gibt bis zu 600 kW an, was sagenhaften 816 Pferdestärken entspricht. Hinzu kommt ein maximales Drehmoment von mehr als üppigen 1355 Nm. Zwei Elektromotoren lassen die Wahnsinns-Kraft auf die Hinterräder der Dimension 215/45-R15 los. Auf der Vorderachse sind 195/45-R14-Reifen aufgezogen.

Eine Fahrgastzelle aus Kohlefaser-Verbundmaterial (Carbonfaser und Kevlar) soll zusammen mit einem integrierten Überrollkäfig für die Sicherheit der Insassen sorgen. Offenbar klappt das ganz gut, fünf Sterne soll der Tango in einem Sicherheits-Test errungen haben.

Auf amerikanischen Straßen kann die kleine Knallerbse nie legal ihre Endgeschwindigkeit ausfahren. Die soll bei bis zu 240 km/h liegen. Abheben wird der Tango bei dem Tempo nicht. Er wiegt rund anderthalb Tonnen, wobei allein 450 Kilogramm auf den im Fahrzeugboden installierten Lithiumionen-Batteriepack mit einer Kapazität von 49 kWh entfallen.

Außerdem hat die halbe (Sportler-)Portion mit Sportfahrwerk ein patentiertes Stabilitätsprogramm an Bord. Mit einer Akku-Ladung soll der T600 eine Reichweite von 250 bis 300 Kilometer haben. Mit einem Adapter-Set kann man das E-Mobil an jeder Steckdose aufladen.

Eine 80-prozentige Ladung soll laut Hersteller an einer 200-Ampere-Ladestation nur zehn Minuten dauern. Da nicht jeder so viel Leistung wie im T600 braucht, sind auch schwächere Versionen in Planung. Etwa ein T200 und ein T100. Die sollen auch etwas günstiger werden. Bei entsprechender Nachfrage, so heißt es aus den USA, wäre eventuell gar ein Preis um 30 000 US-Dollar denkbar. Weitere Infos: www.commutercars.com (Foto: Auto-Medienportal.Net/Commuter Cars)

Commuter Cars Tango T600 – Technische Daten

Außenmaße (in m): 2,57 x 0,99 x 1,52
Ein Elektromotor je Hinterrad
Leistung bis zu 600 kW / 816 PS
Maximales Drehmoment 1356 Nm
350-V-Lithiumionen-Batterien
Reifen 195/45 R 14 vorn, 215/45 R 15 hinten
Vier Scheibenbremsen
Spitze (theoretisch): rund 240 km/h
Beschleunigung von 0 – 100 km/h in 4,0 s
Reichweite 250 bis 300 km,
Preis: rund 240 000 US-Dollar.

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