Geschichte Kult-Caravan Airstream

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American Way Of Drive: Die Geschichte der Kult-Caravans von Airstream

Mehr als acht Jahrzehnte ist es mittlerweile her, dass der am 4. Juli 1896, am amerikanischen Unabhängigkeitstag, geborene Amerikaner Wallace Merle Byam (genannt Wally) einen ganz eigenen, neuen Lebensstil entwickelt. Und den Mythos der „silbernen Zigarren“, der Wohnwagen von Airstream, begründet.  Byam kauft im Jahre 1929 das Fahrgestell eines Ford Model T. Das hängt er hinter sein Auto, zieht es auf einen Campingplatz in den romantisch-mystischen Blue Mountains von Oregon und baut dort auf einem Campingplatz sein Zelt auf der Plattform auf.

Cult Caravan Airstream
Cult Caravan Airstream. Foto: Airstream Germany

 

So richtig angenehm ist das wohl nicht. Findet vor allem Wallys Frau Marion. Sie beschwert sich über das mühsame und raue Leben im Zelt – und Wally, ganz braver Ehemann und auf das Wohl seiner Frau bedacht, macht sich ein paar Gedanken. Um seine Frau zu beruhigen und sich selbst die Arbeit beim Campen zu erleichtern, baut er auf dem Fahrgestell eine Dauerunterkunft, aerodynamisch in Tränenform gestylt und mit einem Kerosin-betriebenen Ofen und einem kleinen Kühlschrank ausgestattet.

Wie fast alle Wohnwagen zur damaligen Zeit ist auch Wallys Caravan recht simpel aus Leinwand und Sperrholz gebaut. Die Zufriedenheit seiner Frau mit der rollenden Behausung ist vielleicht mit dafür verantwortlich, dass Wally unter der Überschrift

„Wie man für einhundert Dollar einen Wohnwagen baut“

einen informativen Artikel über seinen Selbstbau im gerne gelesenen Magazin Popular Mechanics verfasst.

Die Leser seines Beitrags gieren nach weiteren Infos, einer genauen, detaillierten Bauanleitung. Der Herausgeber des Magazins bittet ihn, diese für zehn Cent pro Stück zu verschicken. Aber Wally, ganz cleverer Geschäftsmann, veröffentlicht eine Anzeige in Popular Mechanics. Dort bietet er sein „vervielfältigtes Büchlein mit Zeichnungen“ zum Nachbau seines Wohnwagens für einen Dollar das Stück an. Eine lohnende Idee: Das große Interesse seiner Mitbürger bringt ihm mehr als 15.000 Dollar ein, für damalige Zeiten eine ganz schöne Stange Geld.

Eines Tages fragt ihn ein offenbar handwerklich weniger geschickter Nachbar, ob Wally ihm einen Wohnwagen bauen könne. Ja, genau so einen wie der, der vor seinem Haus steht. Wally willigt ein, er beauftragt einen Handwerker, der baut den Wohnwagen in Wallys Hinterhof. „Kaum war dieser fertig, wollte der Nachbar eine Tür weiter auch einen,“ so Wally. Der Auftrag geht wieder an den Handwerker. „Dann beschwerten sich die Nachbarn über den vielen Lärm,“ so Wally, „deshalb mietete ich mir ein Gebäude.“

Im Jahr 1932 stehen seine ersten Wohnwagen zum Verkauf. Wally nennt sie „Airstreams“ – denn, so seine Erklärung, „sie bewegen sich auf der Straße wie ein Luftzug – like a stream of air.“ Wally Byam baut mit an der Zukunft des mobilen Lebens: „Mir wurde klar, dass dies ein verdammt gutes Geschäft werden könnte…“ Das Geschäft mit Wohnwagen boomt in den USA – im Jahr 1932 gibt es in Amerika 48 Hersteller, fünf Jahre später liegt ihre Zahl bei mehr als 400. Aber: Lediglich Airstream hat bis heute überlebt. Firmengründer Wally verkauft in den ersten Jahren komplett ausgestattete Wohnwagen, seine Bauanleitungen und Bausätze.

Im Jahre 1935 kauft Wally Byam die Bowlus-Teller Trailer Company. William Hawley Bowlus, von Beruf Luftfahrtingenieur, konstruiert seine stromlinienförmigen Wohnwagen wie ein Flugzeug ohne Flügel: Ein

Airstream Wally und alter Trailer. Foto: airstream germany
Airstream Wally und alter Trailer. Foto: airstream germany

Monocoque aus Aluminiumrohr, beplankt mit genieteten Aluminiumtafeln. Resultat dieses Konstruktionsprinzips ist eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht. Dummerweise ist Bowlus als Geschäftsmann nicht so genial wie als Konstrukteur, er geht pleite, und Wally kauft den Laden. Kleine Veränderungen am Grundkonzept werden vorgenommen, die Tür etwa wandert von der Front an die Seite, da der Einstieg über die Deichsel doch etwas unbequem ist.

Dann werden die einstigen „Road Chief“ mit ihrem damals hippen Art-Deco-Design als „Airstream Clipper“ verkauft, eine Hommage an die seinerzeit bekannten „Pan Am Clipper“-Flugzeuge. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte gibt es nur fünf Änderungen im Design der Airstreams. Bis heute ist durch alle Modellgenerationen die Familienähnlichkeit absolut augenfällig. Als bekennender Perfektionist versucht Wally Mängel, die ihm von Kunden mitgeteilt werden oder die er selbst auf seinen Reisen feststellt, abzustellen. Sein Wahlspruch: „Wir machen keine Veränderungen – nur Verbesserungen.“

Der Zweite Weltkrieg stoppt die Produktion, denn für zivile Zwecke ist kein Aluminium mehr zu bekommen. Wally Byam landet bei Curtiss-Wright, einer Flugzeugfirma. Nach dem Krieg baut er mit diesem Unternehmen Wohnwagen, die dem Airstream sehr ähnlich sehen, allerdings über einige Verbesserungen verfügen, die sich Wally aus dem Flugzeugbau abgeguckt hat. Aus namensrechtlichen Gründen muss ein „S“ im Firmennamen wegfallen, das neue Unternehmen heißt „Curtis Wright Clipper“.

Meinungsverschiedenheiten führen schließlich zu Wallys Ausscheiden aus der Firma, er gründet die Airstream Trailers Inc., Curtis Wright baut den Clipper weiter. Die Firma wird dann 1949 verkauft, die in Silver Streak Clipper umbenannten Caravans werden noch bis 1974 oder gar 1996 (da sind sich die Quellen nicht ganz sicher) weiter gebaut. Doch sie erreichen nie die Verkaufszahlen der Airstreams. Was wohl auch an der charismatischen Person von Wally liegt.

Der will einen Lebensstil, mobiles Wohnen und Reisen, verkaufen, und nicht nur ein Produkt. Die erste von vielen Wohnwagen-Karawanen organisiert er im Jahre 1951. Statt der 35 Einheiten, mit denen er gerechnet hat, rollen 63 Wohnwagen aller Marken vier Monate lang durch Mittelamerika. Lediglich 14 Caravans erreichen das Ziel. Bereits ein Jahr später rollt die nächste Tour, es folgen Reisen weltweit. Der Höhepunkt dürfte 1959 eine Tour von Cape Town in Südafrika nach Kairo gewesen sein.

Die Reisen gelten auch als „tourture-tests“ für die Airstreams, während der Fahrten auftretende Mängel führen zu sofortigen Anweisungen ans Werk, mit detaillierten Verbesserungsanweisungen. Obendrein sind die Touren natürlich perfekte Werbung für Werk und Wohnwagen, sie werden entsprechend genutzt und vermarktet. Und außerdem sieht Wally sie Reisen als einen Beitrag zur Völkerverständigung. Sinngemäß hat er einmal gesagt: „Wir haben in den Ländern, die wir besucht haben, für mehr Sympathie gesorgt als die ganzen Diplomaten in ihren feinen Anzügen zusammen.“

Wally Byam fertigt mit dem Airstream nicht nur ein Produkt, nicht nur einen Caravan. Er schuf auch einen glänzenden, stromlinienförmigen Lebensstil, gemütlich und nützlich zugleich. Und der ist auch nach mehr als sieben Jahrzehnten immer noch modern. Rund zwei Drittel der Caravans in Zeppelinform, gebaut aus glänzendem Aluminium, rollen heute noch auf den Straßen der Welt. Damit liegt die Quote höher als bei Rolls-Royce.  Kein Wunder, dass die Airstreams mittlerweile Kult geworden sind. Mit dazu beigetragen hat der 1955 gegründete „Wally Byam Caracan Club“ (WBCC), der 1962 in „Wally Byam Caravan Club International“ (WBCCI) umbenannt wurde. Die auf vielen Airstreams zu sehenden großen roten Nummern sind die Club-Mitgliedsnummern.

In seinen besten Zeiten, um die Mitte der 1980-er Jahre herum, hat der Club rund 24.000 Mitglieder. Wally Byam erlebt diese Phase nicht mehr, er stirbt am 22. Juli 1962. Aber auch Jahrzehnte nachdem Wally Byam seinen ersten Airstream Aluminium-Wohnwagen auf den Markt brachte, loben Kunsthistoriker und Designlehrer immer noch sein ansprechendes Erscheinungsbild. „Airstream Wohnwagen sind domestizierte, stromlinienförmige Industrieerzeugnisse. Sie sind immer noch unübertroffen,“ schreibt etwa die Architektin Margaret McCurry im Architectural Digest.

Neue Airstream Caravans im Roka Werk. Foto: Roka
Neue Airstream Caravans im Roka Werk. Foto: Roka Werke GmbH

 

Geoff Wardle vom Lehrstuhl für Transportdesign am Art Center College of Design in Pasadena fügt hinzu, „Es ist eine autarke Unterkunft, der man ihre Funktion sofort ansieht. Man sieht, dass er geschaffen wurde, um darin zu leben und sich durch die Luft zu bewegen, anders als andere Wohnwagen und Wohnmobile. Der Airstream ist tatsächlich ein unverfälschtes Objekt. Deshalb ist er auch schon so lange erfolgreich.“

Noch heute wird jeder Airsteam nach den Regeln der Handwerkskunst der ersten Airstream-Erbauer gefertigt. Die Aluminiumleisten und die Rippenstruktur werden sorgfältig von Hand mit mehreren Tausend Nieten befestigt. Ergebnis ist ein leichter und stabiler Aufbau, der sich auch ohne zusätzlichen Rahmen selbst trägt. Zuerst werden der Schalenrumpf und das Fahrgestell montiert. Bevor die Innenhaut und die Möbel eingebaut werden, testet Airstream in einer eigenen Testanlage jedes Fahrzeug auf Wasserdurchlässigkeit mit Orkanstärke der Kategorie 2. Dadurch kann das Airstream-Team am Band sofort jedes Leck erkennen und beheben.

Und: Alle Teile, von den Möbeln bis zu den verbauten Geräten, gelangen durch die Tür in den Caravan. So ist jedes Teil auch bei Reparaturen leicht zugänglich und kann einfach wieder entfernt oder ersetzt werden – durch die Tür. So werden die Airstreams wohl auch noch weiter über die Straßen der Welt rollen, ganz im Sinne Wally Byams: „Abenteuer ist überall dort, wo du es suchst, an jedem Ort, außer Zuhause in deinem Schaukelstuhl.“

Wer sich für einen dieser Kult-Caravans interessiert, der sollte die Seite des deutschen Importeurs einmal besuchen: Airstream Germany

(Fotos: airstream-germany)

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