Porsche Cayenne Electric Test
Preisgefüge – Luxus bleibt teuer, aber nicht abgehoben
Unser Porsche Cayenne Electric Test Fahrzeug startet bei 105.200 Euro und liefert dafür 325 kW (442 PS). Darüber liegt das S-Modell mit 490 kW (666 PS) für 126.400 Euro. Die Spitze markiert der Turbo mit 850 kW (1156 PS) für 165.500 Euro.
Überraschend: Der Preisabstand zum kleineren Macan Electric fällt geringer aus als gedacht, obwohl dessen Elektronik-Architektur bereits eine Generation älter ist. Und selbst der klassische Cayenne (E3) liegt preislich nicht weit entfernt. Porsche positioniert den E4 also bewusst als evolutionären Schritt – nicht als radikale Abkehr.
Design – ein Heck, das polarisiert
Von außen wirkt der Cayenne Electric wie ein Statement. Vor allem das Heck bricht mit der bisherigen Formensprache. Der cw-Wert von 0,25 zeigt, wie ernst Porsche das Thema Effizienz nimmt. Ob die neue Linie gefällt, bleibt Geschmackssache. Der Anspruch an Aerodynamik ist jedoch klar erkennbar.
Sitzposition – tief, sportlich, fast schon Limousine
Beim Einsteigen fällt sofort die ungewohnt tiefe Sitzposition auf – rund sieben Zentimeter tiefer als im Verbrenner. Das Offroad-Gefühl rückt in den Hintergrund, stattdessen entsteht ein Eindruck, der näher am Panamera liegt als an einem SUV. Die optionalen Sportsitze verstärken dieses Gefühl. Der Seitenhalt ist präzise, fast schon kompromisslos.
Interieur – Fortschritt mit kleinen Schatten
Das Cockpit zeigt eine klare Weiterentwicklung. Das neue gebogene Mittel-Display wirkt modern, doch die untere horizontale Fläche spiegelt stärker als erwartet. Die Instrumente hinter dem Lenkrad sitzen dagegen perfekt im Sichtfeld. Porsche setzt wieder stärker auf mechanische Bedienelemente – ein wohltuender Gegenpol zum Touch-Overkill vieler Konkurrenten. Das Head-up-Display bleibt angenehm klar und unaufdringlich.
Assistenz und Bedienung – dezent, aber nicht fehlerfrei
Die verpflichtenden EU-Warntöne sind erstaunlich zurückhaltend. Die Spurhaltewarnung erscheint als rote Linie im Head-up-Display – elegant gelöst. Die AR-Pfeile hingegen wirken teils störend. Immerhin lässt sich vieles anpassen. Die unsichtbare Lüftung arbeitet zugfrei und präzise.
Klangkulisse – künstlich, aber überraschend stimmig
Im Sport-Modus erzeugt der Cayenne Electric einen sonoren Klang mit Anklängen an einen Achtzylinder. Porsche hat hier offenbar gut zugehört, was Kundschaft erwartet. In Sport Plus wird der Sound intensiver, beim Verzögern entsteht ein futuristischer Ton, der fast schon experimentell wirkt.
Fahrwerk – die neue Messlatte im Segment
Die Steifigkeit des Cayenne Electric ist beeindruckend. Bei schneller Fahrt lenkt er präzise ein und folgt der Linie ohne Zögern. Die mitlenkende Hinterachse verleiht dem schweren SUV eine Agilität, die man ihm nicht zutrauen würde. Bodenwellen verschwinden nahezu. Das optionale Porsche Active Ride ist eher Luxus als Notwendigkeit, denn schon das Serienfahrwerk überzeugt. Räder von 20 bis 22 Zoll verändern Optik und Charakter spürbar.
Fahrmodi – klar getrennt, klar spürbar
Im Normal-Modus gleitet der Cayenne Electric leise und souverän. Der Sport-Modus trifft den besten Kompromiss aus Dynamik und Ruhe. Komfort macht die Lenkung leichter, was auf langen Strecken angenehm ist, aber etwas Präzision kostet.
Performance – brachiale Kraft, die kaum auszuschöpfen ist
Schon das Basismodell liefert 835 Nm. Auf kurvigen Landstraßen ist das kaum voll nutzbar. Der Turbo mit bis zu 1500 Nm bewegt sich in Hypercar-Regionen. Im Alltag bleibt das eher theoretisch. Die Reichweite von bis zu 643 km ist ambitioniert, aber nur mit sehr ruhigem Fahrstil erreichbar. Anhängerbetrieb bis 3,5 Tonnen ist möglich – allerdings nicht ohne deutlichen Einfluss auf die Reichweite. Laden mit bis zu 390 kW ist ein starkes Argument.
Offroad – besser als erwartet, aber nicht kompromisslos
Im Gelände überrascht der Cayenne Electric mit guter Traktion und ordentlicher Achsenverschränkung. Das optionale Offroad-Paket verbessert Böschungswinkel und Robustheit, ist aber nur mit 21- oder 22-Zoll-Rädern kombinierbar – ein fragwürdiger Ansatz für ernsthafte Offroad-Ambitionen.
Konkurrenz – starkes Umfeld, starker Auftritt
Der Markt für elektrische Oberklasse-SUV ist inzwischen dicht besetzt: BMW iX, Mercedes EQS SUV, das elektrische G?Modell, Cadillac Lyriq, Lotus Eletre, Lucid Gravity. In diesem Umfeld wirkt der Cayenne Electric erstaunlich konkurrenzfähig. Die größte Konkurrenz kommt jedoch aus dem eigenen Haus: Der klassische Cayenne bleibt eines der besten SUV überhaupt. (Fotos: Matthias Knödler /aum)
Technische Daten Porsche Cayenne Electric
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Länge x Breite x Höhe | 4,99 x 1,98 x 1,67 m |
| Radstand | 3,02 m |
| Antrieb | Elektro, 325 kW (442 PS), Heckantrieb, Automatik |
| Max. Drehmoment | 835 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h |
| 0–100 km/h | 4,8 s |
| WLTP-Verbrauch | 19,7 kWh |
| Batteriekapazität | 113 kWh |
| Reichweite (WLTP) | 643 km |
| Max. Ladeleistung | 390 kW DC |
| Leergewicht / Zuladung | 2600 kg / 570 kg |
| Kofferraumvolumen | 781–1588 l + 90 l |
| Anhängelast | 3500 kg |
| Preis | ab 105.200 Euro |

