Kia EV2 Test – Der kleine Stromer, der große Versprechen macht
Ein B-SUV für Europa – und für die Nerven der Konkurrenz
Der Kia EV2 Test zeigt ein Fahrzeug, das genau dort antritt, wo es in den kommenden Monaten richtig eng wird: im B-SUV-Segment. 26.600 Euro Einstiegspreis klingen nach „Volksstromer“, zwei Batteriegrößen, bis zu 453 Kilometer Reichweite und ein erstaunlich erwachsenes Technikpaket nach „Warum eigentlich mehr bezahlen?“.
Auf dem Papier wirkt der EV2 wie die Antwort auf viele Fragen. In der Realität zeigt sich jedoch schnell: günstig starten heißt nicht automatisch günstig bleiben.
Design: Klein, kantig, Kia
Optisch bleibt der EV2 brav in der Kia-Familie. Die Front steht fast senkrecht im Wind, die vertikale Star-Map-Lichtsignatur macht den Verwandtschaftstest überflüssig, und die kräftigen Radhäuser geben dem Auto mehr Präsenz, als seine 4,06 Meter vermuten lassen.
Revolutionär ist das nicht, aber angenehm unaufgeregt. Der EV2 sieht nicht nach Sparbüchse aus, sondern wie ein bewusst geschrumpfter Vertreter der Kia-Elektroflotte. Genau das dürfte vielen gefallen, die zwar aufs Budget achten, aber kein Auto wollen, das „Billiglösung“ schreit.
Innenraum: Digital, aber nicht belehrend
Im Cockpit setzt Kia auf moderne Sachlichkeit statt Touchscreen-Erziehungsanstalt.
Ein 12,3-Zoll-Kombiinstrument, ein 12,3-Zoll?Touchscreen und ein separates 5,3-Zoll-Klimadisplay teilen die Aufgaben sinnvoll auf.
Die Bedienung bleibt klar, logisch und frei von Menü-Labyrinthen. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig, OTA-Updates ebenfalls. Der EV2 wirkt innen wie ein Auto, das verstanden hat, dass Digitalisierung nicht bedeutet, jede Funktion hinter drei Wischgesten zu verstecken.
Bedienung: Einfach, logisch, Kia
Der Gangwahlhebel sitzt an der Lenksäule, die Rekuperation wird über Lenkradwippen geregelt, und die Menüstruktur folgt dem bekannten Kia-Muster. Wer schon einmal einen Kia gefahren ist, fühlt sich sofort zuhause.
Wer neu einsteigt, wird nicht erschlagen.
Plug & Charge, Routenplanung mit Ladestopps und V2L/V2X-Funktionen zeigen: Der EV2 ist kein abgespeckter Einstieg, sondern ein ernst gemeintes Elektroauto.
Platzangebot: Klein außen, vernünftig innen
Trotz kompakter Abmessungen wirkt der Innenraum dank 2,57 Metern Radstand erstaunlich erwachsen. Besonders clever: das optionale Vier-Sitzer-Paket mit zwei verschiebbaren Einzelsitzen im Fond. Der Kofferraum des KIA bietet 362 bis 403 Liter. Der EV2 will praktisch sein – und schafft das ohne große Verrenkungen.
Antrieb: Die kleine Batterie ist die flinke
Zwei Antriebsvarianten stehen bereit – und die Rollenverteilung ist kurios. Die 42,2-kWh-Version liefert 108 kW und ist spürbar lebhafter als der 61-kWh-Ableger mit 99,5 kW. Beide haben 250 Nm, beide fahren 161 km/h.
Im Alltag zeigt sich der EV2 als angenehm unaufgeregter Fronttriebler: spontan, kräftig genug, aber ohne künstliches Drama. Er will nicht beeindrucken, sondern funktionieren – und das tut er gut.
Fahrwerk: Unauffällig gut
Das Fahrwerk ist die eigentliche Überraschung. Der EV2 fährt leise, stabil und erstaunlich souverän.
Keine Wankorgien, keine Härte, kein Gezappel. Einfach ein kleines SUV, das sich erwachsener anfühlt, als es müsste. Gerade in dieser Preisklasse ist das ein echtes Plus.
Geräuschkomfort: Mehr Klasse als erwartet
Kia hat hörbar Aufwand betrieben: Dämmmaterialien, optimierte Unterbodenverkleidung, spezielle Reifen, je nach Version eine isolierte Frontscheibe. Das Ergebnis: Der EV2 bleibt auch bei Tempo und schlechten Straßen angenehm leise. Ein Komfortmerkmal, das man in dieser Klasse nicht zwingend erwartet.
Laden: Schnell genug, AC sogar optional stark
Beide Akkus laden in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Serienmäßig gibt es 11 kW AC, optional erstmals bei Kia auch 22 kW – ein echter Vorteil im urbanen Alltag.
Damit wird der EV2 zum kleinen Stromer, der nicht ständig an der Säule klebt.
Preise & Ausstattung: Der Einstieg lockt, der Rest fordert Mut
Die Basisversion „Light“ ist fair ausgestattet: Panoramadisplay, LED-Licht, Klimaautomatik, Smart-Key, Rückfahrkamera, viele Assistenten. Doch wer mehr Komfort will, landet schnell in höheren Preisregionen.
Die große Batterie gibt es erst ab „Air“, und mit jedem Paket wächst der Preis weiter.
Besonders ärgerlich: viele Features gibt es nur im Paketverbund. Ein elektrisches Glasschiebedach? Nur in der GT-Line – und nur zusammen mit mehreren Zusatzpaketen. So wird aus dem günstigen Einstieg schnell ein ambitioniert bepreistes Klein-SUV.
Fazit: Ein gutes Auto – aber kein Schnäppchenwunder
Der Kia EV2 Test zeigt ein Fahrzeug, das zur richtigen Zeit kommt: angenehm zu fahren, gut ausgestattet, sinnvoll digitalisiert und erstaunlich erwachsen. Nur sollte man sich vom Einstiegspreis nicht einlullen lassen. Unten fair, in der Mitte attraktiv, oben selbstbewusst – so lässt sich die Preislogik zusammenfassen. Ob das für den Wettbewerb reicht, wird sich zeigen. Die Chancen stehen nicht schlecht. (Fotos: Frank Wald/aum/Kia/Lena Willgalis)
Technische Daten Kia EV2 Test Modell „Earth“
| Länge x Breite x Höhe | 4,06 x 1,80 x 1,58 m |
| Radstand | 2,57 m |
| Antrieb | Elektrisch, 108 kW (146 PS), Frontantrieb |
| Max. Drehmoment | 250 Nm |
| 0–100 km/h | 8,7 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 161 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 15,5 kWh (18?Zoll) |
| Batterie | 42,2 kWh |
| Reichweite (WLTP) | 317 km |
| Ladeleistung | 11 kW AC (optional 22 kW) / 118 kW DC |
| Leergewicht / Zuladung | 1620 kg / 470 kg |
| Kofferraum | 362–1201 l + 15 l Zusatzfach |
| Anhängelast | 750 kg |
| Preis | ab 31.290 Euro |
| Testwagenpreis | 37.530 Euro |

