Test Mazda 6e: Design-Ikone mit klaren Stärken – und ebenso klaren Schwächen
Manchmal fragt man sich, ob Designer heimlich Wettbewerbe laufen haben – beim Mazda 6e hat eindeutig jemand gewonnen. Unser Test Mazda 6e ist ein Auto, das man nicht einfach fährt – man zeigt es her. Die flache Silhouette, die leuchtende Frontspange, die coupéhafte Dachlinie und das markante Heck mit durchgezogenem Leuchtenband sorgen für ständige Nackenverrenkungen bei Passanten.
Kein Wunder, dass er als „World Car Design of the Year“ ausgezeichnet wurde. Doch wie so oft gilt: Schönheit ist nicht alles. Im Alltag zeigt der Mazda 6e, dass Eleganz und praktische Tauglichkeit nicht immer Hand in Hand gehen.
Platzangebot: Schön eng hier
Vorn sitzt man gut, aber die Türen sind knapp geschnitten und der Einstieg ist nicht besonders komfortabel. Hinten wird es für große Menschen noch enger – die flache Dachlinie zwingt zum Kopfeinziehen. Auch der Beinraum ist überschaubar.
Der Kofferraum unseres Test Mazda 6e? Mit 336 Litern für eine 4,92-Meter-Limousine schlicht zu klein. Immerhin gibt es einen 72-Liter-Frunk. Doch selbst das hilft nur bedingt, denn der knapp zwei Tonnen schwere Mazda darf lediglich 350 Kilogramm zuladen. Mensch und Gepäck sollten also nicht zu ambitioniert sein.
Bedienung: Fortschritt mit Rückschritten
Im Cockpit zeigt sich die größte Schwäche. Optisch wirkt alles hochwertig, doch Mazda hat zu viele Basisfunktionen ins Infotainment verbannt. Scheibenwischer, Spiegel, Klimatisierung – alles in verschachtelten Menüs. Das 10,25-Zoll-Kombiinstrument, das AR-Head-up-Display und der 14,6-Zoll-Zentralbildschirm sehen modern aus, funktionieren aber nicht intuitiv. Die Touch-Logik erinnert eher an ein Tablet als an ein Auto, das man bei 130 km/h bedienen möchte.
Die Sprachsteuerung reagiert unzuverlässig, die Lautstärke wird umständlich per Display geregelt, und selbst CarPlay oder Android Auto können die Grundprobleme nicht kaschieren. Wer das Auto täglich fährt, gewöhnt sich daran. Wer klare Ergonomie erwartet, wird enttäuscht.
Fahreindruck: Komfortabler Gleiter
Auf der Straße zeigt unser Test Mazda 6e seine Schokoladenseite. Die getestete Version mit 190 kW (258 PS) und Heckantrieb beschleunigt souverän: 0–100 km/h in 7,6 Sekunden, Spitze 175 km/h. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise, das Fahrwerk komfortabel, aber nicht schwammig. Schlechte Straßen bügelt der Mazda ordentlich weg, ohne die Insassen zu nerven. Der tief liegende Akku sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt und ein ruhiges Fahrverhalten, selbst bei schnellen Richtungswechseln.
Akustisch bleibt der Mazda 6e angenehm zurückhaltend. Er rollt leise, wirkt gediegen und eignet sich hervorragend für lange Strecken – zumindest fahrdynamisch.
Reichweite & Laden: Solide, aber nicht überragend
Mit der 68,8-kWh-Batterie sollen 479 Kilometer möglich sein. Realistisch sind rund 400 Kilometer, bei sanfter Fahrweise etwas mehr. Mazda gibt 16,6 kWh WLTP-Verbrauch an, im Test Mazda 6e waren es etwa 18 kWh. Die maximale DC-Ladeleistung von 165 kW wurde selten erreicht – im Schnitt lagen wir bei rund 130 kW. Die Long-Range-Version mit 80-kWh-Akku lädt sogar nur mit 90 kW und ist damit für Langstrecken kaum sinnvoll.
AC-Laden ist bei beiden Varianten auf 11 kW begrenzt.
Preis & Ausstattung: Hier punktet der Mazda 6e
Der Preis ist eine der großen Stärken. Die Basisversion „Takumi“ startet bei 44.900 Euro und ist üppig ausgestattet: elektrische Heckklappe, Panorama-Glasdach, Sony-Soundsystem, 19-Zoll-Felgen und ein komplettes Assistenzpaket.
Das „Takumi Plus“-Modell kostet 2000 Euro mehr und bietet zusätzliche Leder- und Komfortdetails. Die Long-Range-Version startet bei 46.500 Euro, bietet mehr Reichweite, lädt aber deutlich langsamer.
Fazit: Ein Auto mit Charakter – im Guten wie im Schlechten
Unser Test Mazda 6e überzeugt mit Design, Komfort und einem hochwertigen Innenraumgefühl. Doch die Bedienung ist zu kompliziert, der Kofferraum zu klein und die Zuladung zu gering.
Wer jedoch Wert auf Stil, Komfort und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legt, bekommt für rund 45.000 Euro einen eleganten Mittelklasse-Stromer mit viel Ausstattung – und einem Auftritt, der garantiert auffällt.(we/aum)(Fotos: Mazda)
Daten Test Mazda 6e
| Länge x Breite x Höhe | 4,92 x 1,89 x 1,49 m |
| Radstand | 2,90 m |
| Antrieb | Elektrisch, 190 kW (258 PS), Frontantrieb, Automatik |
| Max. Drehmoment | 320 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 175 km/h |
| 0–100 km/h | 7,6 s |
| WLTP-Verbrauch | 16,6 kWh/100 km |
| Batteriekapazität | 68,8 kWh |
| Reichweite (WLTP) | bis 479 km |
| Max. Ladeleistung | 11 kW AC / 165 kW DC |
| Leergewicht / Zuladung | 2037 kg / 350 kg |
| Kofferraum | 336–1074 l + 72 l Frunk |
| Anhängelast | 1500 kg |
| Preis | ab 44.900 Euro |

