Formel 1: Angekommen am Ende der Welt

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Der neue Korea International Circuit, in der South Jeolla Region gelegen und etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt, ist Neuland für Mensch und Material und war eine echte Herausforderung für die Formel 1. Foto: RB/Auto-Reporter.NET

Da freut sich Bernie mal wieder

Bis Tage vor dem Rennwochenende wollte niemand so richtig glauben, dass in Südkorea ein Formel-1-Rennen gestartet wird – und es hat doch stattgefunden. „Die Leute sollten dankbar sein für die nicht immer populären Positionen, die ich eingenommen habe, um der Formel 1 über die Jahre ein internationales Profil zu geben“, sagt Bernie Ecclestone, der seine Königsklasse erfolgreich vermarktet und der Formel 1 stets die Richtung vorgibt. Der neue Korea International Circuit, in der South Jeolla Region gelegen und etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt, ist echtes Neuland für Mensch und Material…

Der 17. FIA-WM-Lauf 2010 wurde förmlich mit der heißen Nadel gestrickt: Verzögerungen während der Bauphase der Strecke hatten immer wieder den Formel-1-Start in Frage gestellt. Nicht ohne Grund, so waren Meldungen von brachliegende Streckenteilen und umfallenden Kräne an der Tagesordnung. Mit ein Grund für die Verzögerungen war auch das schlechte Wetter, zudem war der Boden sehr wässrig, der zunächst trocken gelegt werden musste. Damit man dort überhaupt bauen konnte. Dies hat sehr viel Zeit gebraucht.

Nun hatte es Formel-1-Impressator Bernie Ecclestone geschafft seine Königsklasse in Südkorea an den Start zubringen. Obgleich die direkt am Meer gelegene Rennstrecke erst wenige Tage vor dem Rennwochenende die offizielle Abnahme durch die FIA erhalten hat – eigentlich müssen zwischen dem Start und der Abnahme drei Monate liegen. Der wirtschaftliche Druck schien sehr hoch zu sein, um das bereits seit Monaten terminierten Formel-1-Rennen abzusagen. Der Aachener Architekt Hermann Tilke hat, wie zuvor schon andere Formel-1-Rennstrecken (Malaysia, Bahrain, Shanghai, Abu Dhabi), auch den 5,621 Kilometer langen Kurs in Südkorea entworfenen. Einer der Höhepunkte des gegen den Uhrzeigersinn angelegten Strecke ist die Gerade mit 1,2 km Länge, dort wurden Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h erreicht. Die Fahrer mussten schnell auf den Geraden sein und mussten ihr fahrerisches Können zeigen, wenn sie die 18 Kurven ansteuern, vor allem jene im langsamen letzten Abschnitt. Für alle Teams waren die Bedingungen vor diesem Rennen gleich: Keine GP-Fahrer hat zuvor den Korean International Circuit befahren.

Der Unterschied zu anderen Strecken, die neu in den Formel-1-Kalender aufgenommen wurden, standen den Teams in Südkorea keinen Daten von anderen Rennserien zur Verfügung. An diesem Wochenende lag es an den Teams und Fahrern, schnell zu lernen und bestmöglich zu reagieren, um das Auto zu optimieren. „Erstmals in diesem Jahr fahren wir auf einer Strecke, die nicht nur für mich, sondern für alle Fahrer Neuland ist“, sagte Mercedes-Benz-Fahrer Michael Schumacher, bei der Ankunft in Südkorea.

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Nicht alle haben sich auf das GP-Wochenende in Südkorea gefreut. Die Rennstrecke ist weit weg von der Hauptstadt, und deshalb begann das Wochenende mit einer mehrstündigen Anfahrt, was nach einem langen Flug mühsam ist – auch die Hotel-Situation war sehr unbefriedigend. „Ich habe schon genug Dramen hinter mich gebracht, um mich durch irgendetwas aus der Ruhe bringen oder mir die Lust an diesem fantastischen Sport nehmen zu lassen“, kommentierte der knapp 80-jährige Formel-1-Promoter Ecclestone die heikle Situation. „Grundsätzlich begrüße ich neue Austragungsorte, weil unbekannte Strecken eine spezielle fahrerische Herausforderung darstellen, und weil es für eine WM auch prinzipiell positiv ist, in möglichst vielen Nationen anzutreten,“ sagte Heidfeld, der als Neunter von insgesamt fünfzehn platzierten F1-Fahrern Südkorea verlässt. „Ich bin froh, dass wir wieder Punkte geholt haben“, freute sich der Wahl-Schweizer noch am Flughafen.

„Ich bin mit dem heutigen Rennen recht zufrieden. Ich möchte mich bei meinem Team, das mich perfekt geführt hat, bedanken. Ich bin sicher, dass die Zuschauer bei diesem ersten Korea Grand Prix äußerst gut unterhalten wurden. Ich glaube die FIA traf eine sehr gute Entscheidung als sie das Rennen hinter dem Safety Car starten ließ, da ein normaler Start absolut nicht möglich gewesen wäre. Es ist sehr schade, dass Nico durch eine unverschuldete Kollision aus dem Rennen geworfen wurde, sonst wäre es ein ausgezeichnetes Wochenende für unser Team geworden,“ zog der viertplazierte Michael Schumacher eine erste Bilanz.

Den ersten Grand Prix in Südkorea hat Fernando Alonso (Ferrari) vor Lewis Hamilton (McLaren Mercedes) und Felipe Massa (Ferrari) gewonnen. Die WM-Fahrerwertung 2010 führt nun Alonso mit 231 Punkten vor Mark Webber (Red Bull) mit 220 Punkten, Hamilton (210) und Vettel mit 206 Zählern an. Die Formel 1 startet noch bei zwei Rennen: Am 7. November in Brasilien und am 14. November 2010 in Abu Dhabi – der Titelkampf 2010 bleibt weiterhin spannend, so ganz nach dem Geschmack von Bernie. (Auto-Reporter.NET/Peter Hartmann)

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