Kreidler Dice CR 125i

Kreidler Comeback mit Dice CR 125i?

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Kreidler Dice CR 125iSo schön war die Zeit. Als ich noch Yamaha TY50 (Mokick) fuhr und die Kumpels Kreidler oder Zündapp (Mokick und Kleinkraftrad). Das war 1975, eine geile Zeit. Deswegen horchte ich auch auf, als ich die Meldung vom Kreidler-Comeback mit der Dice CR 125i im Netz fand. Doch Kornwestheim liegt jetzt in China. Aber ist das so schlimm?

Ich denke nicht. Zumindest wenn sich der neue Markeninhaber der Nostalgie und Geschichte von Kreidler verpflichtet fühlt. Hinter der Marke steckt heute die Cycle Union GmbH aus dem niedersächsischen Oldenburg, die die Fahrzeuge mit dem Kult-Namen von Qingqi in China bauen lässt.

Kreidler ist – neben Royal Enfield mit der Continental GT – wohl die authentischste Serienumsetzung des Café-Racer-Gedankens gelungen. Angefangen von der Lampenverkleidung und dem M-Lenker über die Ausbuchtungen im Tank und die Sitzbank bis zum Heckbürzel bildet optisch alles eine klassisch-stimmige Einheit.

Das weckt Erinnerungen an die flotten RS-Modelle aus Kornwestheim. Die Krone setzen neben dem alten Kreidler-Schriftzug die Lackierungen in Racing-Grün oder Racing-Orange auf. Näher an den Siebzigern geht es kaum.

Nicht mehr Kreidler-like ist der Motor. Den liegenden 50- und 80-Kubikmotor von einst ersetzt in der Neuauflage ein stehender 125er-Einspritzer. Den baut Qingqi in Lizenz auch für Suzuki. Immerhin ist er noch luftgekühlt – und neben der Optik ein weiteres Plus der Dice CR 125i. Er leistet zwar nur 8,4 kW / 11,4 PS von in dieser Klasse möglichen 10 kW / 15 PS, überzeugt aber durch kontinuierliche Leistung und angenehmen Rundlauf.

Kreidler Dice CR 125iTempo 100 auf dem Tacho erreicht die 112 Kilogramm leichte Kreidler damit so gut wie immer. Damit ist man auf der Landstraße einigermaßen gut unterwegs. Lediglich in einem bestimmten Frequenzbereich tauchte an unserer Testmaschine beim Beschleunigen für eine Sekunde in den einzelnen Gängen (jeweils knapp oberhalb von 20, 40, 60 und 85 km/h) ein leichtes Schnarren auf. Mit weiterer Drehzahl verschwand es aber sofort wieder.

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Die Sitzposition ist entspannter als man vermuten könnte, und das Fahrgefühl hinter der Mini-Halbschale durchaus emotional. Der Blick fällt auf einen schlichten, aber stilvollen Rundtacho mit schnörkeliger Meilenskala und nüchterneren Zusatzziffern für die Stundenkilometer.

Die digitale Ganganzeige ist ein kleiner Stilbruch, ersetzt aber den Drehzahlmesser. Zum Trost gibt es auf der großen und massiven oberen Gabelbrücke zwei grüne Kontrolllampen für Leerlauf und Blinker, die gut und gerne noch aus Kornwestheimer Restbeständen stammen könnten (das ist als Lob, nicht als Tadel gemeint). Und die im wahrsten Sinne des Wortes Auspufftüte ist auch à la bonne heure. Abgestimmt ist die kleine Kreidler ganz im Café-Racer-Geist sportlich-straff.

Kreidler Dice CR 125iBremsen (CBS) und Schaltung sind nicht die feinfühligsten und verlangen ein wenig Nachdruck beim Bedienen, geben an sich aber keinen Grund zur Klage. Das bei Zweirädern aus dem Reich der Mitte auch Reifen aus eben selbigem in Kauf genommen werden müssen, hat sich in der Zweiradszene mittlerweile herumgesprochen. In diesem Fall heißen sie Tinsun.

Der Geradeauslauf ist okay, nur die Flanken sorgen bei Schräglage für ein etwas schwammiges Fahrgefühl, das in dieser Gewichts- und Leistungsklasse aber keinerlei Bedeutung hat. Nicht selbstverständlich in dieser Kategorie und Preisklasse sind die hintere Scheibenbremse, eine Upside-Downgabel und ölgedämpfte sowie einstellbare hintere Federelemente.

Dazu kommen die Edelstahl-Auspuffanlage, ein verchromter und abschließbarer Tankdeckel und LED-Rücklicht. Und da alles aus China kommt, gibt es mehr Metall und weniger Plastik sowie viel Chrom. Die Verarbeitung macht bis auf die ungeglättete Schweißnaht am Heckrahmen insgesamt einen ordentlichen Eindruck.

Käufer der schicken Kreidler sind tatsächlich überwiegend ältere Fahrer. Immerhin 15 bis 20 Prozent der Kunden stammen aus der Gruppe der 16- bis 18-Jährige, die die CR einfach nur cool finden und auf die letzten zwei, drei Stundenkilometer Topspeed in ihren Kreisen verzichten können. Der Erfolg des kleinen Café Racers hat das Unternehmen beflügelt, das mit der taubenblauen NPJ Edition mit schwarzem Motor und schwarzen Felgen ein nochmals verfeinertes Sondermodell aufgelegt hat.

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Nur ihre verwirrende Typenbezeichnung sollte die bei der Cycle Union beheimatete Kreidler Motor Europe GmbH noch einmal überdenken. Denn von den anderen Leichtkrafträdern aus selbem Hause unterscheidet sich das Retro-Modell nur durch den Zusatz CR. Dice (engl. = Würfel) heißen auch die moderner gestylte Supermoto und die Enduro.

Mit den beiden neuen Modellen GS 125i Pro und SM 125i Pro kommen in diesem Jahr zudem zwei weitere Kreidler dazu, die einen anderen Rahmen und ein anderes Bodywork haben als die bereits bekannten GS- und SM-Ausführungen – aber ebenfalls als Kreidler Dice verkauft werden.

Eigentlich möchte ich jetzt dringend auch eine Kreidler-Zeitmaschine haben. Und sei es nur, um mich wieder nach 1975 versetzt zu fühlen… (we/ampnet/jri)(Fotos: Auto-Medienportal.Net)

Daten Kreidler Dice CR 125i

Motor: 1-Zylinder, 125 ccm, luftgekühlt
Leistung: 8,4 kW / 11,4 PS bei 9000 U/min.
Max. Drehmoment: 9,5 Nm bei 7500 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 101 km/h
Getriebe: fünf Gänge
Antrieb: Kette
Tankinhalt: ca. 18 Liter
Sitzhöhe: 740 mm
Gewicht (fahrbereit): 112 kg
Zuladung: 168 kg
Bereifung: 110/70-17 (vorne), 130/70-17 (hinten)
Preis: 2995 Euro

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