Audi e-Tron GT Concept

Audi e-Tron GT Concept Probefahrt

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Der Marktstart des Audi e-Tron GT ist für Ende 2020 geplant, vor zwei Wochen wurde in Los Angeles eine Studie gezeigt. Und wir hatten die Gelegenheit, eine ausgedehnte Runde am Steuer zu drehen, begleitet von zwei Motorradpolizisten – nicht nur um uns vor dem Verkehr abzuschirmen, sondern auch, um beherzt Gas geben zu können – beziehungsweise Strom.

Das Design des Audi e-Tron GT Concept ist atemberaubend: Genau so sollte eine große Sportlimousine proportioniert sein. Mit 496 Zentimetern Länge, 196 Zentimetern Breite und nur 138 Zentimetern Höhe ist der Auftritt extrem.

Genauso wie die Details: Die Scheinwerfer sind mit neuester LED- und Lasertechnologie ausgerüstet, das Audi-Gesicht ist geschlossen und „invertiert“ ausgeführt, es gibt ein riesiges Panorama-Glasdach und 285er-Reifen der Serie 30, die auf 22-Zoll-Felgen aufgezogen sind. Statt einer Pseudo-Auspuffanlage, wie sie heute auch viele Autos mit Verbrennungsmotor ziert, gibt es einen brutalen Heckdiffusor.

Es ist eine besonders gute Nachricht, dass fast alles auf das Serienmodell übertragen wird. Wenn Audi der e-Tron GT auf den Markt kommt, wird die Fronthaube, die aktuell als Aero-Element dient, „geschlossen“; die 22-Zoll-Räder werden durch 21-Zoll-Felgen ersetzt.

Wir sitzen am Steuer des e-Tron GT und stellen fest, dass das ultra-futuristische Cockpit des e-Tron-Crossover-SUV, den wir kürzlich in Abu Dhabi gefahren sind, einen weiteren Schritt nach vorn vollzogen hat. Das Lenkrad hat nahezu die Form eines Hexagons angenommen, die Mittelkonsole liegt hoch, als Wählhebel dient ein gleitendes Objekt. Die Zughebel am Lenkrad dienen zur Einstellung der Rekuperationsrate in drei Stufen.

Dank der Stoffsitze spricht Audi von einem „veganen Interieur“, man brüstet sich mit dem Verzicht auf echtes Leder. Freunde des klassischen Luxus können jedoch beruhigt sein: Natürlich wird es das Serienmodell auch mit einer Innenausstattung aus Naturleder geben. Passform und Verarbeitungsqualität sind jedenfalls sensationell.

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Insgesamt erinnert das Interieur an einen R8 für vier Personen. Nicht vorgesehen sind übrigens die elektronischen Rückspiegel des regulären e-Tron; die Bildschirme würden zu tief sitzen. Vermisst werden sie hier nicht.

Fahren wir los: Die 590 PS und 890 Nm Drehmoment des Serienautos, die von einem vorderen und einem hinteren Elektromotor erzeugt werden, sind im e-Tron GT Concept noch nicht vollständig verfügbar.

Dennoch gibt es keine Enttäuschung, als wir auf das Fahrpedal drücken: Diese Studie beschleunigt mit großem Nachdruck, die E-Motoren surren hörbar – genau wie von Audi vorgesehen. Wenn dieses Auto auf den Markt kommt, wird es trotz seines Leergewichts von über zwei Tonnen die 100-km/h-Marke in weniger als 3,5 Sekunden durchschreiten. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 240 km/h abgeregelt.

Die Kraft wird über ein einstufiges Getriebe auf alle vier Räder übertragen, zur Optimierung der Traktion und der Agilität gibt es Torque-Vectoring-Systeme. Audi verspricht eine Reichweite von über 400 Kilometern, bei scharfem Fahren dürften daraus jedoch weniger als 300 Kilometer werden.

Immerhin sollen die Ladezeiten extrem schrumpfen: Dank 800-Volt-System geht Audi davon aus, dass die Lithiumionen-Akkus binnen 20 Minuten wieder auf 80 Prozent hochgeladen werden können. Das ist sehr viel im Vergleich zu einem Diesel- oder Benzinmotor, aber sehr wenig im Vergleich zum Supercharger-Netzwerk der US-Marke Tesla.

Die Leistung wird im e-Tron GT ohne die geringste Verzögerung geliefert; es ist ein ganz anderes Fahrgefühl, als etwa die V8-Maschine in einem ähnlich starken Audi RS7 durch die Gänge zu peitschen. Das Beschleunigungserlebnis ist ähnlich extrem – zumindest bis in den Bereich von null bis 200 km/h. Der e-Tron GT scheint das Versprechen der Science-Fiction-Streifen unserer Jugend einzulösen.

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Autonom fahren soll der Audi e-Tron GT auch können; momentan hinkt die Gesetzgebung den Fähigkeiten der Autos hinterher. Wir finden, dass sich die Politik ruhig noch etwas Zeit lassen darf. Denn der e-Tron GT bereitet am Steuer außergewöhnliche Fahrfreude.

Normalerweise sind die Akkus in Elektroautos unter der Fahrgastzelle positioniert; deshalb sind so viele von ihnen als Crossover-SUV konzipiert. Bei Audi e-tron GT und Porsche Taycan wird das Thema intelligenter gelöst: Mit „Fußgaragen“ hinter dem sehr niedrig sitzenden Fahrer.

Und so sind diese vollelektrischen Sportlimousinen noch deutlich flacher als ihre konventionell angetriebenen Schwestermodelle Audi A7 und Porsche Panamera. Trotzdem ist im e-Tron GT noch Platz für einen 100-Liter-Stauraum vorn und 450 Liter Kofferraum im Heck.

Nach 45 faszinierenden Minuten endet unsere eskortierte Testfahrt durch Los Angeles. Wir sind noch immer nicht davon überzeugt, dass Elektrofahrzeuge wirklich die Zukunft der individuellen Mobilität darstellen.

Doch wenn es tatsächlich so kommt, dann hat der Audi e-Tron GT gute Aussichten auf einen Spitzenplatz im Premium-Segment. Weit vor der amerikanischen Konkurrenz – und mindestens so weit vorn wie sein Schwestermodell aus Zuffenhausen. (we/ampnet/jm)(Fotos: Audi)

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