Yamaha Ténéré 700 World Raid Test

Yamaha Ténéré 700 World Raid Test Motorrad

Yamaha Ténéré 700 World Raid Test Motorrad

Yamaha Ténéré 700 World Raid Test – Wo Licht ist, fällt auch Schatten

Ein Adventure-Bike mit großem Anspruch

Die Ténéré verkauft sich in Europa wie geschnitten Brot – jedes vierte Mittelklasse-Adventure-Bike trägt diesen Namen. Doch Masse ist nicht automatisch Klasse. Yamaha hat die Modellpalette ausgedünnt und die World Raid überarbeitet. Der Anspruch: ein „Adventouring“-Bike. Der Eindruck im Test: ambitioniert, aber nicht ohne Ecken.

Motor: Solide, aber kein Feuerwerk

Der 689 Kubik-Twin ist ein alter Bekannter. Robust, zuverlässig – aber auch ein wenig zu brav. Yamaha hat an Getriebe und Lufteinlass gefeilt und die Gasannahme auf YCCT umgestellt. Zwei Fahrmodi klingen nach Fortschritt, fühlen sich aber eher nach Pflichtprogramm an. Der Schalthebel verlangt bei hohen Drehzahlen gelegentlich Nachdruck, was bei einem Motorrad dieser Preisklasse irritiert. Ein Quickshifter? Nur gegen Aufpreis.

Yamaha Ténéré 700 World Raid Test Motorrad

Auf der Straße: Gut, aber nicht begeisternd

Zwischen 3000 und 5000 Touren läuft der CP2 angenehm rund, doch echte Emotionen bleiben aus. Die Vorderradbremse überzeugt, die Hinterradbremse wirkt dagegen fast schüchtern. Für Offroad mag das passen, auf Asphalt wirkt es halbgar. Der „Sport“-Modus verdient seinen Namen kaum – 73 PS bleiben 73 PS, egal wie man es nennt.

Elektronik: Minimalismus oder Sparprogramm?

Zwei Fahrmodi, drei Traktionskontrollstufen, drei ABS-Optionen – das war’s. Umschalten nur im Stand. Yamaha nennt das Sicherheitskonzept, im Test wirkt es eher wie eine unnötige Einschränkung. Immerhin: Die „Explore“-Stufe liefert eine angenehm lineare Gasannahme und ordentlich Traktor-Feeling im unteren Drehzahlbereich.

Fahrwerk: Hier zeigt Yamaha, wie es geht

Die neue 46-mm-KYB-Gabel, das überarbeitete Federbein und der Lenkungsdämpfer machen einen hervorragenden Job. Die World Raid fährt neutral, stabil und erstaunlich souverän. Selbst grober Untergrund bringt sie selten aus der Ruhe. Nur auf losem Geröll schlägt der Lenker gelegentlich zurück. Insgesamt aber: ein Fahrwerk, das in dieser Klasse Maßstäbe setzt.

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Ergonomie: Gut gedacht, aber nicht für alle gemacht

Die neue Sitzbank, die schmalere Taille und das optimierte Bodywork verbessern die Bewegungsfreiheit spürbar. Doch die Sitzhöhe von 890 mm bleibt ein echtes K.-O.-Kriterium. Wer nicht mindestens Gardemaß mitbringt, kämpft beim Rangieren. Eine niedrigere Bank? Fehlanzeige. Tieferlegung? Möglich, aber nicht ohne Charakterverlust.

Reichweite und Ausstattung: Viel Licht, wenig Schnickschnack

Der 23-Liter-Dual-Tank ermöglicht rund 500 km Reichweite und ist nun leichter und tiefer positioniert. Das Zweikammer-System verhindert lästiges Schwappen – ein echtes Plus. Das neue 6,3-Zoll-Display ist funktional, aber optisch kein Highlight. Die Frontscheibe arbeitet gut, der Tempomat erleichtert lange Etappen. Alles solide, aber nichts, was die Konkurrenz nervös machen würde.

Fazit zum Yamaha Ténéré 700 World Raid Test

Die World Raid ist ein Motorrad, das viel richtig macht – und ein paar Dinge bewusst nicht. Sie ist vielseitig, robust und fahrwerkstechnisch eine echte Bank. Doch der Motor bleibt zahm, die Elektronik wirkt altmodisch und die Sitzhöhe grenzt einen Teil der Kundschaft aus. Wer ein ehrliches, unkompliziertes Adventure-Bike sucht, wird glücklich. Wer mehr Punch oder moderne Features erwartet, eher nicht. (we/aum)(Fotos: Yamaha/aum)

Technische Daten Yamaha Ténéré 700 World Raid

  • Antrieb: R2, 689 ccm, Kette, 6 Gänge
  • Leistung: 54 kW / 73 PS bei 9000 U/min
  • Drehmoment: 68 Nm bei 6500 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h
  • Tankinhalt: 23 Liter
  • Sitzhöhe: 890 mm
  • Gewicht: 220 kg (fahrbereit)
  • Normverbrauch: 4,3 l/100 km
  • Testverbrauch: 4,6 l/100 km
  • Bereifung: 90/90?21 vorn, 150/70?18 hinten
  • Preis: 13.699 Euro
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