Einleitung: Der Moment, in dem man denkt, das Auto sei geschrumpft
Erster Gedanke beim Blick auf den Ari Bruni: Hat jemand versehentlich die Waschmaschine auf 90 Grad gestellt und ein Auto mitgewaschen? Doch der Schein trügt. Der vollelektrische Winzling ist kein Mopedauto der Klasse L3e, sondern offiziell ein „Schweres Vierradmobil zur Personenbeförderung“. Klingt nach Panzer, fährt aber wie ein elektrischer Einkaufswagen mit Ambitionen.
Herkunft: Ein Wuling Mini EV im deutschen Zeugenschutzprogramm
Der Test Ari Bruni stammt aus China, wo der Wuling Mini EV zu den beliebtesten E-Autos gehört. Ari Motors aus Borna bei Leipzig übernimmt das Grundfahrzeug, passt es an europäische Vorgaben an und verpasst ihm einen neuen Namen. Ein bisschen wie ein Witness-Protection-Programm für Kleinstwagen.
Design: Kinderbuch trifft Animationsfilm
Mit seiner kurzen Haube, der steilen Frontscheibe und einem Längen-Höhen-Verhältnis von unter 2:1 wirkt der Bruni wie aus einem Cartoon entsprungen.
Die Zweifarb-Lackierung sammelt Sympathiepunkte, aber ein Designpreis wird hier eher nicht vergeben. Doch in dieser Fahrzeugklasse zählen die inneren Werte – und die Zielgruppe sucht bewusst kein „mehr Auto“, sondern ein Stadttierchen, das überall reinpasst.
Preis und Ausstattung: Klein, aber nicht billig
Preislich spielt der Bruni in Regionen, in denen auch vollwertige Kleinwagen unterwegs sind. Ari hat den Zweisitzer zuletzt auf knapp 12.000 Euro reduziert. Regulär stehen 15.458 Euro an, der Viersitzer kostet 16.648 Euro. Immer an Bord: ABS, Frontairbags und ein Hauch von „echtem Auto“.
Innenraum: Überraschend freundlich und erstaunlich praktisch
Das helle Interieur wirkt keineswegs spartanisch. Die kleine Mittelkonsole mit Drehschalter schafft Platz, sodass der Wechsel zwischen Fahrer- und Beifahrersitz fast schon gymnastikfrei gelingt. Dazu gibt es Taschenhaken, USB-Anschlüsse, Netztaschen, Türfächer und einen MP4-Player mit Touchscreen. Rückfahrkamera? Ja. Lenkradtasten? Auch ja. Der Bruni gibt sich Mühe, größer zu wirken, als er ist.
Test Ari Bruni Kofferraum: Ein Schlund, aber ein ehrlicher
Mit vier Sitzen bleibt kaum Stauraum. Der Hersteller spart sich eine Volumenangabe und nennt stattdessen Maße: 15 cm lang, 70 cm tief, 1,17 m breit. Klingt nach Scherz, ist aber Realität. Immerhin lassen sich die Rücksitze einzeln umklappen. Vier Säcke Blumenerde passen rein, die Ladekante liegt allerdings hoch bei 76 cm.
Fahrkomfort: Wankneigung inklusive
Kurzer Radstand, hoher Aufbau, kleine Räder – die Physik lässt sich nicht austricksen. Der Bruni neigt sich in Kurven spürbar, federt eher straff und bleibt dank seiner 20 PS dennoch unkritisch. 90 km/h sind möglich, im Alltag reicht das völlig.
Reichweite und Laden: Realistischer als gedacht
Die 17,3 kWh Batterie soll 215 km schaffen. Unser Test: 80 km gefahren, Restreichweite 105 km. Passt. An der Haushaltssteckdose lädt der Bruni pro Stunde etwa 20 Prozent nach. Optional gibt es Wallbox und CCS-Adapter.
Bedienung: Kleine Tasten, große Wirkung
Vier Fahrmodi stehen im Test Ari Bruni bereit, Eco+ begrenzt auf 80 km/h. Die Taste dafür liegt allerdings ungünstig hinter dem Wischerhebel, weshalb öfter der Warnblinker erwischt wurde.
Öffnet man beim Einparken die Tür mit offenem Fenster, hupt der Bruni wie ein beleidigter Gabelstapler. Ein Parkmodus existiert nicht, der Fahrhebel springt nach dem Abziehen des Schlüssels automatisch auf Neutral.
Zulassung: Wer will, kann ihn zum echten Pkw machen
Für rund 580 Euro Aufpreis lässt sich der Bruni als regulärer Pkw der Klasse M1 zulassen. Dann gibt es – je nach Einkommen – sogar Förderprämien. (Fotos: Auri Motors/aum)
Technische Daten Test Ari Bruni (4-Sitzer)
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Länge x Breite x Höhe | 3,06 x 1,49 x 1,62 m |
| Antrieb | E-Motor, Heckantrieb |
| Leistung | 15 kW / 20 PS |
| Max. Drehmoment | k. A. |
| Höchstgeschwindigkeit | 90 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 9,9 kWh |
| Batteriekapazität | 17,3 kWh |
| WLTP-Reichweite | 215 km |
| Leergewicht / Zuladung | 700 kg / 270 kg |
| Basispreis | 16.648 Euro |
| Testwagenpreis | 19.028 Euro |

