Tesla Roadster

Der nächste Tesla Roadster kann fliegen

Während wir die Erfindung des mit der Pfandflasche verbundenen Plastikstöpsels als großartigste Erfindung der Neuzeit feiern, präsentiert Tesla einen fliegenden Sportwagen, der dank gigantischem Unterdruck an einem Looping haften kann, abspringen und sich beim Absprung um die eigene Achse dreht und sicher am Boden landet.

Senkrecht, kopfüber – als sei das gar kein Problem. Ganz oben fährt der Tesla Roadster einfach weiter, fliegt durch die Luft, dreht sich um seine eigene Achse und landet butterweich auf dem Boden. Die Präsentation des neuen Tesla Roadster am Donnerstagabend auf dem Testgelände der Firma Space X im texanischen Texas war ein Spektakel.

Elon Musk, der Chef des Elektroautoherstellers Tesla und zugleich auch der Raumfahrtfirma Space X, stand mit schwarzer Jeans und schwarzem T-Shirt auf der Bühne vor mehreren hundert Gästen unter freiem Himmel und führte durch eine Show, die fast schon aufreizend lässig präsentierte, was passiert, wenn man ein Highend-Elektroauto zusätzlich mit Raketentechnik aufrüstet.

Die „Rocket“-Variante des Tesla Roadster ist nämlich mit rund zehn Kaltgas-Triebwerken ausgestattet, aus denen je nach Bedarf extrem komprimierte Druckluft entweicht. Und im Unterboden gibt es nicht nur solche Druckluftturbinen, sondern auch Saugtriebwerke, die das Auto auf die Fahrbahn drücken – auch wenn diese den Wagen senkrecht oder über Kopf stehen lässt, wie beim ersten Stunt.

Kurz darauf hob das Auto noch einmal ab. Zunächst fuhr es auf fünf quer auf der Fahrbahn geparkte Tesla-Modelle zu, darunter auch der Elektro-Lkw Semi. Unmittelbar vor der Barriere aus Fahrzeugen stieg der Tesla Roadster senkrecht in die Luft, flog dann mit einer spektakulären Rolle über die geparkten Autos hinweg, landete hinter ihnen und fuhr weiter, als wäre nichts gewesen.

„Wir brauchen für dies Präsentation Publikum. Ihr müsst den Leuten erzählen, dass das hier wirklich passiert und keine KI dafür verantwortlich ist“, hatte Elon Musk gleich zu Beginn erklärt. Denn tatsächlich wirkte es geradezu irreal, wie ein weißer Sportwagen, der ein bisschen aussieht, als hätte man den Tesla Cybertruck platt gemacht, durch die Luft fliegt, dabei Tricks vollführt und dann wieder auf den Rädern rollt wie jedes andere Auto auch.

Was für das Spektakel nicht gebraucht wurde, war ein Mensch. Denn das Auto wurde ferngesteuert, auf dem Sitz hinterm Yoke-Lenkrad war lediglich ein Dummie im weißen Rennanzug und mit weißem Helm festgeschnallt.

Musk sagte unter anderem, der Spaßfaktor mit diesem Auto erreiche auf einer Skala von 1 bis 10 den Wert 11. Was man eben so sagt, wenn man Technik verkaufen möchte, die im Grunde sinnlos ist. Denn wer braucht ein Auto mit Raketenantrieb? Wer braucht Kaltgastriebwerke um mal kurz abzuheben? Und wer braucht ein Auto, dass in weniger als einer Sekunde aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt? Autodino braucht so ein Auto!

Der allererste Tesla Roadster, der im Sommer 2006 vorgestellt wurde, war der Beginn der sagenhaften Erfolgsstory von Tesla und zugleich der Startpunkt der Elektromobilität, wie wir sie heute kennen. Beim damaligen Auto handelte es sich im Prinzip um einen Lotus Elise, in den Tesla 6831 Laptop-Akkus eingebaut und so zum Elektro-Sportwagen umgemodelt hatte. Der Wagen bot rund 350 Kilometer Reichweite und spurtete in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit war klar: Elektromobilität ist cool und begehrenswert. Viele etablierte Autohersteller begriffen das erst nach Jahren.

Tesla Roadster
Tesla Roadster

Was bekannt ist: Den neuen Tesla Roadster wird es in drei Ausführungen geben – nämlich als „Performance“, „Thrust“ und „Rocket“. Alle Varianten werden ausfahrbare Spoiler bekommen sowie das Saugdüsen-System im Unterboden, um die Straßenlage und die Traktion bei hohen Geschwindigkeiten zu optimieren.

Eine Höchstgeschwindigkeit wurde nicht genannt, Musk sagte lediglich, das Auto werde halb so schnell wie der Schall fahren können – also mehr als 600 km/h. Okay. Das enttäuscht uns jetzt ein wenig. Den aktuellen Geschwindigkeitsrekord für Serienautos hält übrigens der chinesischen Elektro-Sportwagen Yangwang U9 Xtreme mit 496,22 km/h.

Die bei der Präsentation vorgestellte Rocket-Variante soll gebaut werden. Wobei unklar ist, ob es überhaupt und wenn ja dann wo, eine Straßenzulassung für dieses Flugobjekt auf Breitreifen geben wird.

Kaufen können den Raketen-Roadster Interessierte ohnehin nur auf Einladung von Tesla. Und dass es extrem teuer wird, ist auch klar. Ein Preis wurde zwar nicht genannt, doch eine siebenstellige Summe dürfte es wohl sein.

Die Varianten ohne Flugmodus hingegen können bereits bestellt werden. Eine Reservierung ist nach einer Anzahlung auf der deutschen Webseite möglich. Erst werden 5000 Euro fällig, dann weitere 45.000 Euro binnen zehn Tagen für die „Performance“-Variante und 245.000 Euro für das Modell „Thrust“, das über einen Beschleunigungsbooster verfügt.

Wobei auch da noch unklar ist, wo diese Technik überhaupt auf der Straße eingesetzt werden darf. Aber das wird sich in den kommenden zwei Jahren klären. So lange muss Autodino weiterhin auf den neuen Tesla Roadster waren. Macht aber nix, denn wir müssen unseren Banker erst noch überzeugen, warum wir so ein Auto brauchen. (aum/Jürgen Pander)(Fotos Tesla via Autoren-Union Mobilität)