Kia EV 3 Test: Zwischen Vernunft und Kompromissen
Das Kia EV 3 Test Fahrzeug offenbart einen Elektrowagen, der sich bewusst auf das Wesentliche konzentriert – manchmal allerdings auf Kosten der Innovation. Mit 4,30 Metern Länge positioniert sich der koreanische Stromer in der hart umkämpften Golf-Klasse und verspricht alltagstaugliche Elektromobilität ohne technische Spielereien.
Design und Verarbeitung – Solide, aber vorhersagbar
Das Äußere folgt der bekannten Kia-Designsprache mit einer Mischung aus Kanten, Linien und Rundungen. Die Red Dot-Auszeichnung bestätigt zwar die gelungene Gestaltung, doch wirkliche Überraschungen bleiben aus. Der EV 3 gibt sich sofort als Kia zu erkennen – was Fluch und Segen zugleich ist. Wer auf markante Eigenständigkeit hofft, wird enttäuscht.
Im Innenraum setzt sich die sachliche Herangehensweise fort. Die Materialqualität überzeugt durchaus, und die Verarbeitung zeigt handwerkliches Können. Dass sich knapp 30 Kilogramm recycelte Materialien im Cockpit verstecken, merkt man nicht – ein Pluspunkt für die Nachhaltigkeit, auch wenn es letztendlich nur Marketing-Folklore bleibt.
Kia EV 3 Test: Raumkonzept mit Licht und Schatten
Die Platzausnutzung gelingt den koreanischen Entwicklern erstaunlich gut. Selbst großgewachsene Personen finden im Fond ausreichend Beinfreiheit – solange maximal zwei Erwachsene hinten Platz nehmen. Bei drei Passagieren wird es schnell ungemütlich. Der Kofferraum bietet durchaus familientaugliches Volumen, doch die hohe Ladekante erschwert das Beladen unnötig.
Das Cockpit präsentiert sich mit einer 30-Zoll-breiten Informationszentrale, die alle wichtigen Daten und Bedienelemente vereint. Analoge Schalter bleiben erhalten – eine vernünftige Entscheidung angesichts der Touch-Hysterie vieler Konkurrenten. Das Head-up-Display rundet das Angebot ab, sollte aber zur Serienausstattung gehören statt als Option angeboten zu werden.
Antrieb und Reichweite – Alte Technik, neue Verpackung
Hier zeigt sich die erste größere Enttäuschung des Kia EV 3 Test: Die 400-Volt-Technik wirkt in Zeiten von 800-Volt-Systemen rückständig. Kia setzt auf die bewährte E-GMP-Plattform, verzichtet aber auf modernste Ladetechnologie. Die maximale Ladeleistung von 130 kW ist solide, aber nicht mehr zeitgemäß.
Mit dem großen 81,4-kWh-Akku verspricht Kia bis zu 563 Kilometer Reichweite nach WLTP-Norm. In der Praxis zeigt sich: Bei entspannter Fahrweise lässt sich dieses Versprechen weitgehend einlösen. Der gemessene Testverbrauch von 17,1 kWh liegt allerdings deutlich über den optimistischen Herstellerangaben von 14,9 kWh – ein typisches Phänomen bei Normverbrauchswerten.
Smart Regeneration Plus – Marketing oder Mehrwert?
Das „Smart Regeneration Plus“-System passt das Tempo automatisch an Verkehrssituationen an. Die Navigation liefert die nötigen Daten, um vorausschauend zu rekuperieren. Das klingt fortschrittlich, funktioniert in der Praxis aber nur bei aktiver Navigationszielführung – eine Einschränkung, die Kia gerne verschweigt.
Fahrverhalten im Kia EV 3 Test Fahrzeug – Überraschend dynamisch
Hier überrascht der kompakte Koreaner positiv. Die MacPherson-Vorderachse und die Mehrlenker-Hinterachse ergeben einen gelungenen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit. Schlaglöcher und Bodenwellen werden souverän weggebügelt, ohne dass der Fahrkomfort leidet.
Die Fahrdynamik übertrifft die Erwartungen: Direkte Lenkung und zupackende Bremsen ermöglichen durchaus zügige Kurvenfahrten. Der 150 kW starke Frontmotor liefert mit 283 Nm ausreichend Durchzug für den Alltag. Lediglich die Sprachsteuerung patzt gelegentlich und ignoriert das „Hey Kia“-Kommando – ein typisches Problem vieler Hersteller.
Preisgestaltung – Vernünftig kalkuliert
Die Preisliste beginnt bei 35.990 Euro für die Variante mit 58,3-kWh-Akku. Für die getestete Version mit 81,4 kWh werden mindestens 41.390 Euro fällig. Das ist fair kalkuliert, auch wenn die Ausstattungsliste einige Wünsche offen lässt.
Fazit zum Kia EV 3 Test
Der Kia EV 3 ist ein solides, aber wenig aufregendes Elektroauto. Wer keine technischen Innovationen erwartet und sich mit bewährter Technik zufrieden gibt, erhält einen vernünftigen Alltagsbegleiter. Die 400-Volt-Architektur und die moderate Ladeleistung zeigen jedoch, dass Kia hier nicht die technische Speerspitze anstrebt.
Für Familien, die einen unkomplizierten Einstieg in die Elektromobilität suchen, erfüllt der EV 3 seinen Zweck. Wer jedoch technische Raffinesse und zukunftssichere Ladetechnik erwartet, sollte sich anderweitig umsehen. (we/aum)(Fotos: Kia via aum)
Technische Daten Kia EV 3 Test Fahrzeug
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Länge x Breite x Höhe | 4,30 x 1,85 x 1,56 m |
| Radstand | 2,68 m |
| Antrieb | Elektro, Frontantrieb |
| Leistung | 150 kW / 204 PS |
| Drehmoment | 283 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 7,9 Sekunden |
| Batteriekapazität | 81,4 kWh |
| WLTP-Reichweite | 563 km |
| Herstellerverbrauch | 14,9 kWh/100km |
| Testverbrauch | 17,1 kWh/100km |
| Leergewicht | ab 1.885 kg |
| Zuladung | max. 470 kg |
| Preis | ab 41.390 Euro |

