Can-Am Traxter Test: Zwischen Arbeitsgerät und Straßenexot
Unser Can-Am Traxter Test zeigt schnell die Komplexität dieser Fahrzeugkategorie auf. Elf Varianten führt der kanadische Hersteller im Programm – vom HD 7 über das DPS HD 9 bis hin zum X MR HD 10. Diese Modellvielfalt verwirrt selbst Kenner, während Otto Normalverbraucher mit Abkürzungen wie SSV oder UTV ohnehin wenig anfangen kann.
Ungewöhnliche Erscheinung im Straßenbild
Taucht ein Traxter dennoch auf öffentlichen Straßen auf, sorgt es unweigerlich für Aufmerksamkeit. Besonders auffällig wird das Fahrzeug durch spezielle Aufbauten wie den sogenannten „Headache Rack“ – einen Gepäckträger, der markant über der Ladefläche thront. Der Name klingt nicht gerade vertrauenserweckend für ein Nutzfahrzeug.
Primäre Einsatzgebiete: Abseits des Asphalts
Solche Straßensichtungen bleiben die Ausnahme. Der Can-Am Traxter Test macht deutlich: Dieses Fahrzeug gehört primär in Land- und Forstwirtschaft, zu Jägern oder Gartenbaubetrieben. Kommunen, Campingplatzbetreiber und Spezialfirmen schätzen die kompakten, aber geländegängigen Eigenschaften. Auch Rettungskräfte nutzen UTVs in schwer zugänglichen Gebieten – ein nachvollziehbarer Einsatzzweck.
Rechtliche Einschränkungen dämpfen Hobbynutzung
Ohne ABS wird das Traxter als Traktor eingestuft – mit allen Konsequenzen. Die Höchstgeschwindigkeit endet bei 60 km/h, was eine Hobbynutzung praktisch ausschließt. Mit ABS darf es deutlich schneller werden, aber das kostet extra.
UTV versus ATV: Die wichtigsten Unterschiede
Der Unterschied zwischen Side-by-Side-Vehicle und ATV ist simpel: Letzteres wird mit Motorradlenker gesteuert, der Beifahrer sitzt hinten. UTVs bieten Lenkrad, Gaspedal und nebeneinander angeordnete Sitze – wie ein spartanisches Auto eben.
Technische Daten des XU HD 7 T im Can-Am Traxter Test
Das getestete XU HD 7 T rangiert intern an vorletzter Stelle – wenig schmeichelhaft für ein Arbeitsgerät. Der Rotax-Einzylinder mit 650 ccm leistet 52 PS und sitzt ungekapselt direkt hinter der Fahrerkabine. Bei 5500 Umdrehungen ist Schluss – passend zum Tempolimit für Nutzfahrzeuge.
Immerhin bringt das Can-Am Traxter Test Fahrzeug serienmäßig eine Seilwinde mit über zwei Tonnen Zugkraft mit. Die 28 Zentimeter Bodenfreiheit und 25 Zentimeter Federweg klingen beeindruckend, in der Praxis zeigt sich aber schnell, wo die Grenzen liegen.
Fahrverhalten: Gewöhnungsbedürftig
Der Can-Am Traxter Test offenbart einige Eigenarten. Der Pkw-Führerschein genügt zwar, aber die dreistufige Serverlenkung kann nicht über die gewöhnungsbedürftige Automatik hinwegtäuschen. Der Kraftschluss setzt spät, aber dann heftig ein – nichts für Ungeübte.
Positiv überrascht das Gebläse mit ordentlicher Heizleistung, was bei der luftigen Kabinenkonstruktion auch nötig ist. Der Wendekreis fällt erfreulich klein aus, aber Details wie der nicht selbstrückstellende Blinker zeigen den Arbeitsgerät-Charakter.
Sicherheit: Helm empfohlen
Drei-Punkt-Gurte machen Helme rechtlich überflüssig, Can-Am empfiehlt Kopfschutz aber ausdrücklich. Der Grund liegt auf der Hand: Serienmäßig fehlen Türen, Windschutz- und Heckscheibe. Lediglich Fangnetze schützen vor dem Herausfallen – spartanisch, aber zweckmäßig.
Ausstattung und Preise: Teurer Individualisierungsspaß
Das Can-Am Traxter Test Fahrzeug trug 19 hauseigene Zusatzprodukte – ein kostspieliger Individualisierungsspaß. Der Einstieg beginnt bei 16.799 Euro, das getestete XU HD 7 T kostet 20.699 Euro. Für das Spitzenmodell Traxter Max XU 10 HD T mit 82 PS und ABS verlangt Can-Am bereits 29.399 Euro.
Fazit zum Can-Am Traxter Test
Der Can-Am Traxter Test zeigt ein spezialisiertes Arbeitsgerät mit klaren Stärken und Schwächen. Für professionelle Anwender in geeigneten Einsatzgebieten mag das Traxter durchaus sinnvoll sein. Hobbynutzer sollten sich aber genau überlegen, ob der hohe Preis und die rechtlichen Beschränkungen den Aufwand rechtfertigen. Die Modellvielfalt verwirrt mehr, als dass sie hilft – weniger wäre hier definitiv mehr gewesen. (we/aum)(Fotos: aum)

